Weltcup Luzern: Packende Schweizer Rennen auf dem Rotsee

  Weltcup Luzern: Packende Schweizer Rennen auf dem Rotsee

Die Schweizer Boote haben die Rennen auf dem Rotsee mit einem vierten und einem fünften Rang beendet. Der Vierer ohne Steuermann Leichtgewichte mit Mario Gyr, Simon Niepmann, Lucas Tramèr und Simon Schürch wurde nach einem sensationell guten Rennen Vierter. Der Schweizer Vierer lag zwischenzeitlich sogar in Führung und musste erst auf den letzten 250 Metern die Boote aus Grossbritannien, Dänemark und Italien vorbeiziehen lassen. Der Männer Doppelzweier mit André Vonarburg und Florian Stofer zeigte ebenfalls sein bestes Rennen der Saison und wurde zum dritten Mal dieses Jahr Fünfter. Erneut zu überzeugen wussten Fabrizio Güttinger im Männer Einer mit einem neunten Platz und der Frauen-Doppelvierer, welcher das kleine Finale gar zu gewinnen vermochte. Die Schweizer Delegation zeigte auf dem Rotsee die beste Mannschaftsleistung seit 10 Jahren.

Die Finalrennen auf dem Rotsee zeigten Rudersport der Extraklasse. Die ganze Weltelite war auf dem Rotsee vertreten und nutzte die Gelegenheit zu einem Test vor den Weltmeisterschaften von anfangs November in Neuseeland.

Vierer ohne Steuermann Leichtgewichte hatte an Rotsee-Medaille geschnuppert
Der Vierer ohne Steuermann Leichtgewichte mit Mario Gyr (Seeclub Luzern), Simon Niepmann (Seeclub Zürich), Lucas Tramèr (Club d’Aviron Vésenaz) und Simon Schürch (Seeclub Sursee) zeigte ein sensationelles Rennen. Unerschrocken waren sie fast während der ganzen Dauer des Rennens im Spitzen-Trio anzutreffen und prägten mit beeindruckenden Zwischenspurts und einem soliden Rhythmus das Rennen. Zwischenzeitlich ging der Bug des Schweizer Bootes gar in Führung. Umso stärker wurden die Kuhglocken geschwungen und lautstark „Hopp Schwiiz“ gerufen. Auf den letzten 150 Metern brauste das dänische Boot an die Schweizer heran und vermochte diese noch zu überholen. Die Dänen hätten auch noch fast die Briten in Schieflage gebracht. Winzige 0.07 Sekunden trennten die siegenden Briten von den zweitplatzierten Dänen. Italien wurde Dritter. Die Schweizer landeten wie schon vor sechs Wochen auf dem ausgezeichneten vierten Platz vor Serbien und Niederlande. Das Schweizer Boot zeigte ein tolles Rennen und vermochte während des ganzen Wochenendes vollauf zu überzeugen. Es macht Freude, diesem Boot beim Rudern zuzusehen. Die Harmonie und Dynamik im Boot ist vorbildlich.

Vonarburg/Stofer zum dritten Mal Fünfte
Der Männer Doppelzweier mit André Vonarburg und Florian Stofer (beide Seeclub Sempach) ruderte ein gutes Finalrennen, wohl das beste Rennen der Saison. Die sechs Finalboote lagen bis zur Streckenhälfte innerhalb einer Bootslänge, wobei das Schweizer Boot auf der Aussenbahn 1 etwas zurück hing. Auf den dritten 500 Metern konnte zwar das tschechische Boot überholt werden, aber der Kontakt zu den Booten im Mittelfeld ging etwas verloren. An der Spitze des Feldes ruderten die Franzosen Berrest/Bahain und konnten die bislang in dieser Saison dominierenden Briten Wells/Bateman in Schach halten. Der Rotseesieg ging an Frankreich vor Grossbritannien und den wieder erstarkten Neuseeländern. Vierter wurde Europameister Estland vor der Schweiz und Tschechien. Damit landen Stofer/Vonarburg zum dritten Mal den fünften Rang.

 

Frauen-Doppelvierer gewinnt das kleine Finale
Der Frauen-Doppelvierer mit Regina Naunheim und Katja Hauser (beide Seeclub Wädenswil) sowie Nora Fiechter (Ruderclub Blauweiss Basel) und Martina Ernst (Belvoir Ruderclub Zürich) zeigte sich auch am heutigen Sonntag von seiner besten Seite und siegte im kleinen Finale überzeugend vor Holland, dem zweiten chinesischen Boot und Weissrussland. Nach dem eher verhaltenen Auftritt im Vorlauf wusste sich der Frauen-Doppelvierer auf den Hoffnungslauf hin zu steigern und liess im heutigen kleinen Finale nie Zweifel aufkommen, wer dieses Rennen gewinnen sollte. Nach dem dritten Platz in Bled beim Weltcupauftakt und dem achten Rang in München, ist die gezeigte Leistung in Luzern bei starker Konkurrenz eine deutliche Verbesserung.

Fabrizio Güttinger guter Neunter im Skiffrennen der Männer
Der Tessiner Skiffier Fabrizio Güttinger (Club Canottieri Lugano) zeigte sich heute auf dem Rotsee wieder in hervorragender Verfassung. Schon die Halbfinalqualifikation war im Feld der 33 Boote keine Selbstverständlichkeit. Fabrizio Güttinger startete gut und hielt sich während des ganzen Rennens jeweils im Mittelfeld auf. Güttinger zeigte erneut ein engagiertes und gutes Rennen. Er befindet sich wahrlich auf einer aufsteigenden Formkurve. Das neue Boot, das er seit wenigen Tagen rudert, scheint er ebenfalls bestens im Griff zu haben. Fabrizio Güttinger arbeitete sich im Verlaufe des Rennens vom vierten auf den dritten Rang vor und konnte kurz vor dem Ziel den Deutschen Falko Nolte noch überholen und sich so den 9. Rang im Männer-Einer sichern. Dieser neunte Rang ist für Fabrizio Güttinger ein fantastisches Ergebnis. Nach der krankheitsbedingten Absenz in Bled und dem verzögerten Start in die internationale Regattasaison in München vor drei Wochen, erlebte Güttinger auf dem Rotsee nur positive Erlebnisse.

Erneute Enttäuschung im Frauen Doppelzweier Leichtgewichte
Auch heute war der Frauen Doppelzweier Leichtgewichte mit Pamela Weisshaupt (Seeclub Küsnacht) und Olivia Wyss (Seeclub Sursee) nicht von Erfolg gekrönt. Im B-Finale reichte es nicht zu mehr als zum sechsten Rang. Erneut war das erste Streckenviertel das Hauptproblem. Ganze 5.3 Sekunden Rückstand haben sich dort Weisshaupt/Wyss eingehandelt. Mit 9 Sekunden Rückstand kreuzten sie die Ziellinie. Es war für Weisshaupt/Wyss ein verkorkstes Wochenende, das bald vergessen werden muss.

Fazit aus Schweizer Sicht
Die Schweizer Delegation des Schweizer Ruderverbandes hat seit 10 Jahren nicht mehr ein so gutes Ergebnis erzielt an einer Weltcup-Regatta auf dem Rotsee. Die ganze Weltcup-Serie war geprägt von guten und soliden Auftritten der Boote des Schweizerischen Ruderverbandes. Umso erfreulicher ist, dass die guten Resultate in olympischen Bootsklassen erzielt wurden. Mit den drei fünften Rängen von Stofer/Vonarburg im Männer-Doppelzweier und den zwei vierten Rängen des leichten Vierer ohne Steuermanns verfügt der SRV über zwei Boote, die bei allen Einsätzen sicher das Finale erreichten. Mit Fabrizio Güttinger im Einer ist ein weiteres Boot auf dem stark aufsteigenden Ast. Der Frauen-Doppelvierer hat den Turnaround wieder geschafft und heute im kleinen Finale einen sicheren Eindruck hinterlassen. Der SRV wird die Selektionen für die Europameisterschaften in Montemor-o-Velho (Portugal) sowie die Weltmeisterschaften in Karapiro (Neuseeland) am Montagabend vornehmen. Die Resultate der Selektion werden am Dienstag kommuniziert.

Rudern: Ruder-Weltcup in Luzern (Schweiz), Resultate Finaltag mit Schweizer Beteiligung vom 11.07.2010
Männer

Vierer ohne Steuermann Leichtgewichte, A-Finale: 1. Grossbritannien 6:01,07. 2. Dänemark 6:01,14. 3. Italien 6:02,21. 4. Schweiz (Mario Gyr, Simon Niepmann, Lucas Tramèr, Simon Schürch) 6:02,93. 5. Serbien 6:04,49. 6. Niederlande 6:07,17
Doppelzweier, A-Finale: 1. Bahain/Berrest (Fr) 6:18,51. 2. Wells/Bateman (Gb) 6:13,20. 3. Cohen/Sullivan (Neus) 6:20,17. 4. Raja/Taimsoo (Est) 6:23,07. 5. Vonarburg/Stofer (Sz) 6:25,13. 6. Vitasek/Jirka (Tsch) 6:26,30.
Einer, B-Finale (Ränge 7-12): 1. Angel Fournier Rodriguez (Kub) 7:23,29. 2. Roel Braas (Ho) 7:25,90. 3. Fabrizio Güttinger (Sz) 7:28,06. 4. Falko Nolte (De) 7:31,17. 5. Mindaugas Grisokonis (Lit) 7:40,17. 6. Tim Maeyens (Be) 7:47,96.
Frauen
Doppelvierer, B-Finale (Ränge 7-12): 1. Schweiz (Martina Ernst, Katja Hauser, Nora Fiechter, Regina Naunheim) 6:30,69. 2. Niederlande 6:33,18. 3. China (2) 6:33,92. 4. Weissrussland 6:34,27
Doppelzweier Leichtgewichte B-Finale (Ränge 7-12):: 1. Herman/Cameron (Ka) 7:09,49. 2. Sigmond/Head (Ho) 7:10,44. 3. Liu/Huang (China) 7:11,76. 4. Arrazola/Mas de Xaxars (Sp) 7:12,35. 5. Hayashi/Iwamoto (Jp) 7:16,43. 6. Pamela Weisshaupt / Olivia Wyss (Sz) 7:18,62.

Die detaillierten Resultate können unter http://www.worldrowing.com/index.php?pageid=91 abgerufen werden.

Luzern, 11. Juli 2010/cs.