U23-WM Brest 2010: Doppelvierer im A-Finale

  U23-WM Brest 2010: Doppelvierer im A-Finale

 

>> Bildergalerie U23-WM Brest 2010 (aktualisiert 24.7.2010)

Der Schweizer U23 Doppelvierer mit Michael Schmid (Seeclub Luzern), Nico Stahlberg (Ruderclub Kreuzlingen), Jérémy Maillefer (Lausanne Sports Aviron) und Samuel Annen (Seeclub Zug) hat sich mit einem dritten Halbfinalrang und nach einem sehr guten Rennen für das Doppelvierer-Finalrennen an der U23-WM 2010 im weissrussischen Brest qualifiziert. Um winzige 0.16 Sekunden hat der Doppelvierer Leichtgewichte das Finale verpasst. Für die Skiffiers Angelina Casanova (Belvoir Ruderclub Zürich), Michael Albisser (Seeclub Sursee) und David Aregger (Ruderclub Schaffhausen) lag eine Finalplatzierung ausser Reichweite.

Am dritten Wettkampftag standen die Halbfinalrennen sowie erste Finalrennen auf dem Programm. Alle fünf Schweizer Boote waren in den Halbfinals engagiert, die am frühen Morgen auf der Regattastrecke von Brest ausgetragen wurden. Alle Rennen fanden bei gutem Mitwind oder bei seitlichem Mitwind statt.

Doppelvierer Männer nach phantastischem Rennen im A-Finale
Die Ausgangslage in der Kategorie Männer Doppelvierer war nach den Vor- und Hoffnungsläufen offen. Nebst den kroatischen Rotsee-Siegern, welche im ersten Halbfinal eingeteilt waren, konnten sich auch alle anderen elf Halbfinalisten Finalchancen ausrechnen. So eng waren die Abstände in den Vorrennen. Der Schweizer Kombination mit Michael Schmid (Seeclub Luzern), Nico Stahlberg (Ruderclub Kreuzlingen), Jérémy Maillefer (Lausanne Sports Aviron) und Samuel Annen (Seeclub Zug) war im zweiten Halbfinal die Aussenbahn 1 zugeteilt, auf welcher sie gegen die Boote aus Grossbritannien, Russland, Deutschland, Polen und Slowenien antraten. Die vier Schweizer erwischten einen guten Start und setzten sich zusammen mit dem deutschen Boot an die Spitze des Feldes. Nach Streckenhälfte führten die Schweizer sogar leicht vor den immer schneller werdenden Booten aus Russland und Polen, während das deutsche Boot wieder etwas zurückfiel. Es entwickelte sich ein spannender Vierkampf, wobei sich auf dem dritten Streckenviertel das russische Boot die Führung sicherte, während das Schweizer Boot noch immer auf dem zweiten Platz ruderte. Polen machte nun zunehmend Druck auf das deutsche Boot, was die Schweizer nutzten, um sich leicht von den Deutschen abzusetzen. Das war eine weise Taktik, da doch im Vorlauf die Deutschen im Endspurt die Schweizer noch zu übersprinten vermochten. Doch heute waren die Karten anders verteilt. Die Polen ruderten den schnellsten Schlussteil aller Boote und lagen auf der Ziellinie hinter Sieger Russland um winzige 0.04 Sekunden vor den Schweizern. Damit qualifizierten sich Schmid/Stahlberg/Maillefer/Annen mit einem dritten Halbfinalrang für das A-Finale von morgen Sonntag.

Die Finalqualifikation des Schweizer Bootes ist eine sehr gute Leistung und gleichzeitig ein wichtiger Karriereschritt für jeden einzelnen dieser vier jungen Athleten. Ausser für Michael Schmid, der vor vier Jahren an der Junioren-WM schon einmal in einem WM-Finale stand, ist es für Debütant Nico Stahlberg wie auch für Samuel Annen und Jérémy Maillefer die erste Finalqualifikation an einer WM überhaupt. Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, die jungen Nachwuchsruderer zu Eliteathleten zu entwickeln. Das Quartett wird morgen Sonntag Gelegenheit haben zu zeigen, dass sie ihre Renneinteilung noch weiter verbessern können. Im Finale werden sie auf die zu favorisierenden Kroaten sowie die osteuropäischen Boote aus Russland, Polen, Ukraine und Tschechien treffen.

Leichtgewichts-Doppelvierer knapp nicht im Finale
Fast für eine Finalqualifikation hat es auch dem Leichtgewichts-Doppelvierer mit Schlagmann Nicola Edelmann (Seeclub Zürich), Vincent Giorgis (Lausanne Sports Aviron), Daniel Wiederkehr (Ruderclub Baden) und Nicolas Roth (Club de l’Aviron Vevey) gereicht. Der Doppelvierer startete im Halbfinale gut und wurde nach 500 Metern hinter den schnell gestarteten Franzosen, Irland und Grossbritannien auf dem vierten Platz notiert, knapp vor Polen und Holland. Auf dem zweiten Streckenviertel verlor der Schweizer Doppelvierer dann kurzzeitig seine gute Ausgangslage und hatte bei Streckenhälfte eine Bootslänge Rückstand auf die noch immer führenden Franzosen. Ursache für den Rückstand war eine zu tiefe Schlagzahl von lediglich 33.5 Schlägen pro Minute. Deutlich zu tief für Mitwindverhältnisse in einem Leichtgewichts-Doppelvierer. Auf dem zweiten Streckenteil kam der Schweizer Doppelvierer dann aber noch einmal gut in Fahrt und schloss immer näher zu den führenden Booten auf. Sollten die Franzosen für den schnellen Start allenfalls noch Tribut zollen? Der Schweizer Doppelvierer kämpfte unaufhörlich, die Lücke noch einmal schliessen und kam immer näher heran. Auf der Ziellinie fehlten den Eidgenossen dann aber winzige 0.16 Sekunden auf Frankreich und damit auch auf eine Finalqualifikation. Mit 1.39 Sekunden Rückstand auf Sieger Irland auf dem vierten Platz zu landen, ist unglücklich. Das Schweizer Boot hatte die Geschwindigkeit, in den A-Final zu rudern, muss sich aber den kleinen Rückstand im Ziel selber vorwerfen, da die Schlagfrequenz kurz vor Streckenhälfte zu tief war im Vergleich mit der direkten Konkurrenz, welche vier bis fünf Schläge mehr pro Minute ruderte. Die vier Ruderer waren denn auch nach dem Rennen sehr enttäuscht über das knapp verpasste Finale. Zu Gute halten muss man der Mannschaft, dass es für zwei Athleten die erste Teilnahme an einer Ruder-WM überhaupt ist. Der Doppelvierer überzeugt mit einer offensiven, kämpferischen und engagierten Fahrweise. Die Enttäuschung über das knapp verpasste Finale kommt auch daher, da die Mannschaft das Rüstzeug zu mehr hat. Die nächste Gelegenheit für einen Achtungserfolg bietet sich morgen Sonntag im B-Finale.

Für die Einer war es im Halbfinale Endstation
Das jeweils gleiche Schicksal ereilte in den Halbfinals die Schweizer Einerfahrer. Weder Angelina Casanova im Skiff Leichtgewichte Frauen noch Michael Albisser im Skiff Leichtgewichte Männer und David Aregger im Männer Einer kamen im Halbfinal über den sechsten und letzten Platz hinaus. Für die beiden Leichtgewichts-Einer verliefen die Rennen fast identisch. Früh riss der Kontakt zu den finalberechtigten Plätzen ab und so waren die Schweizer Boote auf der Innenbahn 6 jeweils etwas isoliert und alleine unterwegs. Die Hürde für den Einzug in ein Einerfinale war sowohl für Casanova wie für Albisser heute deutlich zu hoch. Etwas anders verlief das Rennen für David Aregger, der einen schnellen Start zeigte und bis zur Streckenhälfte unter den ersten drei Booten platziert war. Danach steigerte aber die Konkurrenz aus Bulgarien, Azerbaidschan und Holland das Tempo und Aregger musste abreissen lassen. Für die Schweizer Skiffs wird es morgen Sonntag darum gehen, sich für die B-Finals zu steigern, um Platzierungen unter den ersten 10 Booten in den jeweiligen Kategorien zu erreichen.

Für die Schweizer Delegation in Brest stehen am Sonntag ein A-Finalrennen sowie vier Teilnahmen an kleinen Finals (B-Finale um Ränge 7-12) auf dem Programm. Die Rennzeiten stehen noch nicht definitiv fest und werden je nach Wetteraussichten kurzfristig neu angesetzt.

Rudern: U23-Weltmeisterschaften in Brest (Weissrussland), Resultate Halbfinals mit Schweizer Beteiligung vom 24.07.2010
Männer. Doppelvierer, 2. Halbfinale: 1. Russland 5:54,07. 2. Polen 5:55,03. 3. Schweiz (Michael Schmid, Nico Stahlberg, Jérémy Maillefer, Samuel Annen) 5:55,07. 4. Deutschland 5:56,52. 5. Grossbritannien 6:00,46. 6. Slowenien 6:13,05. Russland, Polen und Schweiz somit im A-Finale vom Sonntag.
Doppelvierer Leichtgewichte, 2. Halbfinale: 1. Irland 6:02,23. 2. Grossbritannien 6:02,96. 3. Frankreich 6:03,46. 4. Schweiz (Nicola Edelmann, Vincent Giorgis, Daniel Wiederkehr, Nicolas Roth) 6:03,62. 5. Niederlande 6:06,88. 6. Polen 6:09,73. Schweiz somit im B-Finale.
Einer Leichtgewichte, 1. Halbfinale: 1. Peter Chambers (Gb) 7:00,72. 2. Alexandre Pilat (Fr) 7:01,93. 3. Hannes Obreno (Be) 7:02,67. 4. Leonardo Boccuni (It) 7:02,78. 5. David Ten Napel (Ho) 7:16,93. 6. Michael Albisser (Sz) 7:20,47. Michael Albisser damit im B-Finale.
Einer, 2. Halbfinale: 1. Dirk Uittenbogaard (Ho) 7:04,12. 2. Aleksandar Aleksandrov (Aze) 7:04,43. 3. Georgi Bozhilov (Bul) 7:04,50. 4. Maxim Zhemaldinov (Russ) 7:09,64. 5. Kristaps Cirulis (Lett) 7:15,52. 6. David Aregger (Sz) 7:26,73. David Aregger damit im B-Finale.
Frauen. Einer Leichtgewichte, 1. Halbfinale: 1. Alena Kryvasheyenka (WRuss) 7:48,28. 2. Stefanie Borzacchini (Ö) 7:50,49. 3. Leah Stanley (Neus) 7:51,47. 4. Alexandra Opachanova (Kas) 7:54,64. 5. Emiliy Boucher (USA) 8:05,05. 6. Angelina Casanova (Sz) 8:06,89. Angelina Casanova damit im B-Finale.

Die detaillierten Resultate sowie Informationen zum jeweils aktuellen Zeitplan der Rennen können unter http://www.worldrowing.com/index.php?pageid=91 abgerufen werden.

Brest, 24. Juli 2010/cs.