U23-WM Brest 2010: Kompakte Schweizer Teamleistung

  U23-WM Brest 2010: Kompakte Schweizer Teamleistung

Der Schweizer U23 Doppelvierer mit Michael Schmid (Seeclub Luzern), Nico Stahlberg (Ruderclub Kreuzlingen), Jérémy Maillefer (Lausanne Sports Aviron) und Samuel Annen (Seeclub Zug) wurde im grossen Doppelvierer-Finale Sechster. Die Schweizer haben gekämpft, aber die anderen Boote waren heute zu stark, als dass sich eines hätte schlagen lassen. Insgesamt liefert das Schweizer Team mit den Rängen 6, 7, 8, 9 und 10 eine kompakte Mannschaftsleistung ab und erfüllte dabei die Verbandszielsetzungen.

Der vierte und letzte Wettkampftag der U23-WM in Brest (Weissrussland) stand ganz im Zeichen der Finalrennen. Am frühen Morgen fanden die Ruderinnen und Ruderer veränderte Wetter- und Windverhältnisse vor. So blies ein seitlicher Gegenwind und die Temperaturen gingen über Nacht um über zehn Grad auf rund 20 Grad zurück. Das führte dazu, dass sich die Funktionäre des Weltruderverbandes veranlasst sahen für die Finalrennen die Bahnverteilungen zu ändern. Die Halbfinalsieger ruderten nicht mehr in der Mitte der Bahn sondern auf der eher windgeschützten Seite der Regattabahn.

Doppelvierer rudert im A-Final auf Rang 6
Der U23-Doppelvierer mit Michael Schmid (Seeclub Luzern), Nico Stahlberg (Ruderclub Kreuzlingen), Jérémy Maillefer (Lausanne Sports Aviron) und Samuel Annen (Seeclub Zug) stand gegen Ende der Regatta als einziges Schweizer Boot in einem WM-Finale am Start. Nachdem die Jury die Bahnen aufgrund von seitlich einfallendem Gegenwind neu verteilt hatte, wurde dem Schweizer Boot die wenig favorisierte Innenbahn 6 zugeteilt. Der Schweizer Vierer startete schnell und lag nach 500 Metern an vierter Position. Es war nur das kroatische Boot, welches mit den diesjährigen Rotsee-Siegern besetzt war, welches eine klare Führung einnahm und letztlich auch mit einem grossen Vorsprung von 6.5 Sekunden U23-Weltmeister wurde. Dahinter waren es die Boote aus der Ukraine und Russland, welche sich einen harten Kampf um die Silbermedaille lieferten. Es war letztlich das russische Boot, welches sich Silber sicherte vor der Ukraine. Der Schweizer Doppelvierer verlor auf dem zweiten Streckenabschnitt den Kontakt zu den Booten aus Tschechien und Polen und rutschte auf den sechsten Platz zurück. Während die anderen Boote insbesondere nach der Streckenhälfte noch zuzusetzen vermochten, fehlte den Schweizern im Durchzug etwas die Dynamik, um das hohe Tempo mitgehen zu können. Auch wenn im Endspurt der Rückstand noch einmal verkürzt werden konnte, blieb dem Schweizer Boot letztlich nur der sechste Platz im Finale. Die Finalqualifikation mit einem sehr guten Rennen hat gezeigt, dass die Mannschaft in den letzten Wochen und Monaten einen grossen Schritt gemacht hat, um die Finalreife zu erreichen. Diese Leistung in der sehr stark besetzten Doppelvierer-Kategorie ist dem Quartett Schmid, Stahlberg, Maillefer und Annen hoch anzurechnen. Die physische Überlegenheit der Konkurrenz bei Gegenwind hat im Finalrennen sicher auch so etwas wie den Arbeitsbereich und die Hausaufgaben für die vier Athleten für das Training im nächsten Herbst und Winter offengelegt. Mit dem sechsten Platz liefert der diesjährige U23-Doppelvierer das beste Resultat eines Schweizer Doppelvierers an einer U23-WM seit dem ebenfalls sechsten Rang an der U23-WM vor neun Jahren in Linz-Ottensheim.

Michael Albisser gewinnt das kleine Finale im Einer Leichtgewichte
Der Schenkoner Skiffier Michael Albisser (Seeclub Sursee) ruderte in seinem letzten Rennen als U23-Athlet wie entfesselt. Am Vortag hatte er noch „leere Beine“ bemängelt, so waren diese heute im kleinen Finale aber wieder voll bereit. Albisser startete gut und setzte sich hinter dem Schnellstarter aus Italien an die zweite Position, jedoch deutlich vor Holland, Türkei, USA und Bulgarien. Der Italiener ruderte sich bis zur Streckenhälfte einen grossen Vorsprung von über 2 Bootslängen heraus. Dahinter folgte Albisser, der auf den zweiten tausend Metern immer mehr zulegen konnte und die schnellsten Abschnittszeiten für sich verbuchen konnte. Dem Italienier kam er immer näher. Im Endspurt war es dann Michael Albisser, der beflügelt vom zurückfallenden Italiener, regelrecht an ihm vorbeizog und so den Sieg im kleinen Finale für sich beanspruchen konnte. Michael Albisser konnte in seinem letzten Rennen als U23-Athlet gleichzeitig auch sein bislang bestes internationales Ergebnis erzielen. Der siebte Rang ist ein versöhnlicher Abschluss einer schwierigen Regattasaison, die durch Krankheiten und lange Trainingspausen aufgrund der Rekrutenschule im letzten Winter/Frühling gekennzeichnet war.

Angelina Casanova egalisiert mit Rang 8 ihr Vorjahresergebnis
Angelina Casanova (Belvoir Ruderclub Zürich) vermochte sich im Vergleich zum Vortag, als ihr das Halbfinalrennen nicht gelungen war, nochmals deutlich zu steigern. Die Gegenwindverhältnisse sagten Casanova schon immer zu und sie ruderte sehr engagiert auf der Aussenbahn 6. Der Start gelang Casanova gut und sie konnte sich im Mittelfeld behaupten. Es führte während der ganzen Renndauer die Ruderin aus Kasachstan. Casanova ruderte auf gleicher Höhe mit der Deutschen und der Slowakin, vermochte jedoch die Ruderinnen aus Paraguay und USA auf Distanz zu halten. Auf dem zweiten Streckenviertel schob Casanova die Bugspitze ihres Bootes dann auf die zweite Position vor und übte somit immer mehr Druck auf die Ruderinnen aus Deutschland und Slowakei aus. Auch die Distanz zur führenden Kasachin war nicht gross. Im Ziel resultierte für Angelina Casanova dann ein feiner zweiter Platz hinter Kasachstan, während die Ruderinnen aus der Slowakei, Paraguay, Deutschland und USA klar geschlagen blieben.
Mit dem achten Rang egalisiert Angelina Casanova ihre Platzierung im Einer Leichtgewichte Frauen aus dem Vorjahr. Vor Jahresfrist im tschechischen Roudnice hatte Casanova ebenfalls den 8. Rang belegt.

David Aregger im Männer-Einer mit einem Top Ten Ergebnis
Eigentlich als Ersatzmann für den U23-Doppelvierer selektioniert, startete David Aregger (Ruderclub Schaffhausen) im Männer Einer. Aregger, der in einzelnen Rennen immer wieder sein Talent aufblitzen liess, lieferte im heutigen B-Finale eine sehr gute Leistung ab. Aregger, als Schnellstarter bekannt, erwischte einen guten Start und ruderte mit leichtem Vorsprung auf die Ruderer aus Russland, Lettland und Slowenien an der Spitze des Feldes. Nie bestand die Gefahr, dass David Aregger das Rennen zu schnell angegangen wäre. Mit langen Schlägen folgte er dem Tempo des Russen und des Slowenen während der Lette zunehmend Mühe bekundete. David Aregger kam im Endspurt dem Slowenen immer näher, aber dieser vermochte sich gerade noch ins Ziel zu retten. Mit dem dritten Rang im B-Finale hat David Aregger nicht nur ein gutes Rennen gezeigt, sondern auch sein Potenzial einmal mehr offenbart. Mit dem neunten Rang – seiner zweiten Top 10 Rangierung an einer Ruder-Weltmeisterschaft – hat er die in ihn gesetzten Erwartungen übertroffen und damit auch den Selektionsentscheid im Einer zu starten, gerechtfertigt. Den Skiff liebe er zwar noch immer nicht besonders, doch mit der gezeigten Leistung, war auch David Aregger selber zufrieden. Auf dieser Basis lässt sich beim erst 20 Jahre alten Ruderer aufbauen.

Leichtgewichts-Doppelvierer mit schweren Beinen auf Rang 10
Der leichte Doppelvierer mit Nicola Edelmann (Seeclub Zürich), Vincent Giorgis (Lausanne Sports Aviron), Daniel Wiederkehr (Ruderclub Baden) und Nicolas Roth (Club de l’Aviron Vevey) ruderte gestern im Halbfinale um lediglich 0.16 Sekunden am Finale vorbei. Das Rennen von gestern noch nicht ganz verkraftet, hätten sich die Beine im Rennen bei diesem harten Gegenwind schwer angefühlt. Das hat sich auch auf den Ruderschlag im leichten Doppelvierer übertragen. Die Schlagzahl war zwar heute trotz Gegenwind höher als am Vortag, aber die Schläge wirkten weniger rund und kürzer. Unter diesen Umständen geriet der leichte Doppelvierer trotz gutem Start früh unter Druck der Boote aus Dänemark, Kanada und Holland. Der Schweizer Vierer hielt zwar den Kontakt, war aber meistens an vierter Position gelegen. Im Endspurt konnte das Schweizer Quartett dann nicht mehr die gleichen Kräfte mobilisieren wie am Vortag und beendete die Regatta damit auf dem vierten Platz im Rennen, was dem zehnten Schlussrang entspricht. Nach der guten Leistung im Vorlauf und dem engagierten Rennen im Halbfinale ist das knapp verpasste Finale noch immer ärgerlich. Die Mannschaft, zwei Athleten davon erstmals an einer WM und insgesamt noch sehr jung, musste in Brest etwas Lehrgeld bezahlen. Die gemachten Erfahrungen und die Gewissheit, gute Rennen fahren zu können, dürften aber für das nächste Wintertraining den notwendigen Impuls geben, damit jeder einzelne Athlet in der nächsten Saison stärker zurückkommt.

Schweizer Fazit der U23-WM in Brest
Die Regattabahn in Brest scheint für den Schweizer Rudersport gutes Wasser zu beinhalten. Im Vorjahr gewannen André Vonarburg und Florian Stofer an gleicher Stätte EM-Silber. Dieses Jahr lieferte das U23-Team des Schweizerischen Ruderverbandes mit 5 Rangierungen in den Top 10 eine gute und kompakte Mannschaftsleistung ab. Die Ränge 6, 7, 8, 9 und 10 deuten auf eine breite und kompakte Mannschaftsleistung hin, auch wenn die absolute Top-Platzierung fehlt. Die Verbandszielsetzung lautet auf drei Top 10 Platzierungen, davon eine Finalplatzierung. Nun haben gleich alle Schweizer Boote die Vorgabe der Verbandsleitung unterboten. Dass alle Boote bis zum letzten Schlag gekämpft haben, zeigt, dass die Mannschaften fokussiert und motiviert an der Sache waren. Es ist aber auch ein Verdienst des Trainer-Teams, dem es in Brest ausgezeichnet gelungen ist, die Boote durch die Regatta zu führen und auf die jeweiligen Rennen richtig einzustellen. Jedes Boot hatte mindestens ein Rennen, in welchem das volle Potenzial abgerufen werden konnte. Wenn es in Zukunft noch gelingt, dass der Abruf einer Topleistung bei allen Booten im Halbfinale gelingt, dann werden aus Top 10 Rangierungen Finalplätze. Die Schweiz verlässt Brest mit guten Erinnerungen und einer besseren Mannschaftsleistung als möglicherweise vor der U23-WM erwartet werden konnte.

Rudern: U23-Weltmeisterschaften in Brest (Weissrussland), Resultate Finaltag mit Schweizer Beteiligung vom 25.07.2010
Männer. Doppelvierer, Final A (Ränge 1-6):
1. Kroatien 6:01,42. 2. Russland 6:07,92. 3. Ukraine 6:08,54. 4. Tschechien 6:12,66. 5. Polen 6:15,45. 6. Schweiz (Michael Schmid, Nico Stahlberg, Jérémy Maillefer, Samuel Annen) 6:18,55.
Doppelvierer Leichtgewichte, Final B (Ränge 7-12): 1. Dänemark 6:30,45. 2. Niederlande 6:31,72. 3. Kanada 6:32,60. 4. Schweiz (Nicola Edelmann, Vincent Giorgis, Daniel Wiederkehr, Nicolas Roth) 6:35,21. 5. Polen 6:37,20. 6. USA 6:38.14. Schweiz somit auf dem 10. Schlussrang.
Einer Leichtgewichte, Final B (Ränge 7-12): 1. Michael Albisser (Sz) 7:37,95. 2. Leonardo Boccuni (It) 7:38,69. 3. Nedelcho Vasilev (Bul) 7:43,59. 4. Bayram Sonmez (Tü) 7:49,24. 5. John Graves (Usa) 7:51,04. 6. David Ten Napel (Ho) 7:53,66. Michael Albisser damit auf dem 7. Schlussrang.
Einer, Final B (Ränge 7-12): 1. Maxim Zhemaldinov (Russ) 7:31,29. 2. Janez Zupan (Slo) 7:35,29. 3. David Aregger (Sz) 7:36,27. 4. Kristaps Cirulis (Lett) 7:40,65. 5. Brendan McEwan (Usa) 7:41,66. 6. Domonkos Szell (Un) 7:44,96. David Aregger damit auf dem 9. Schlussrang.
Frauen. Einer Leichtgewichte, Final B (Ränge 7-12): 1. Alexandra Opachanova (Kas) 8:43,66. 2. Angelina Casanova (Sz) 8:45,67. 3. Barbora Sagova (Slk) 8:47,61. 4. Gabriela Mosqueira (Par) 8:49,42. 5. Lena Bieber (De) 8:50,43. 6. Emiliy Boucher (USA) 9:02,90. Angelina Casanova damit auf dem 8. Schlussrang.

Die detaillierten Resultate sowie Informationen zum jeweils aktuellen Zeitplan der Rennen können unter http://www.worldrowing.com/index.php?pageid=91 abgerufen werden.

Brest, 25. Juli 2010/cs.