Ursula Schwaller ist Europameisterin im Adaptive Ergometer Rowing

  Ursula Schwaller ist Europameisterin

Am vergangenen Samstag wurden in Kettwig-Essen (D) die 10. Euro-Open – Europameisterschaften im Indoor Rudern durchgeführt. Der Ruder-Weltverband FISA hat die Euro-Open zur offiziellen Europameisterschaft erklärt. Erstmals war die Schweiz in der Geschichte des Rudersportes mit einer Behindertenruderin in der Klasse AS (arms and shoulders) vertreten. Es ist dies Ursula Schwaller, bisher erfolgreiche Handbikerin sowie Mitglied der SA Fribourg und dem Seeclub Sempach.

Es ist Tatsache geworden. Nach etwas mehr als drei Jahren seit Eröffnung des neuen Bootshauses des Seeclub Sempach und dem darin eingerichteten Nationalen Zentrum für Adaptive Rowing stand erstmals eine Athletin für den Schweizer Rudersport am Start eines offiziellen Wettkampfes im Adaptive Rowing. Bekanntlich hat sich die erfolgreiche Handbikerin Ursula Schwaller entschieden, eine Auszeit vom Handbiking zu nehmen und eine neue Herausforderung zu suchen. Innert drei Monaten liess sie sich mit dem Rudervirus infizieren und gemäss Aussagen ihres Partners, Marcel Kaderli, ist das Handbiking momentan sehr weit weg.

Aufgrund der Leistungsentwicklung auf dem Ruderergometer (erster Test 6.01 Min., letzter Test vor den Euro Open, 5.06 Min., jeweils über 1‘000m) entschied sich das Team für einen Start an den Euro Open in Kettwig-Essen. Der Schweiz. Ruderverband erteilte dazu die Genehmigung und so stand dem Start in Kettwig-Essen nichts mehr im Wege. Leider waren nur zwei Athletinnen eingeschrieben, aber die Ungarin Monika Lengyel ruderte an den Paralympics in London und ist weitaus erfahrener als Ursula Schwaller. Bereits in der Aufwärmphase beobachteten wir die Ungarin und waren erstaunt über ihre eher unkonventionelle (um nicht zu sagen; schlechte) Technik. Ursula liess sich davon nicht beeindrucken und zog ihre 30 Minuten dauernde Aufwärmphase durch.

Danach folgte der historische Augenblick für den Schweizer Rudersport und das Adaptive Rowing. Erstmals steht eine Behindertenruderin an einem offiziellen Ruderanlass am Start. Alle im Team waren sichtlich angespannt. Bereits in der mit hoher Kadenz geruderten Startphase nahm Ursula ihrer Konkurrentin aus Ungarn mehrere Meter ab. Kontinuierlich vergrösserte sie ihren Vorsprung bei ungebrochen hoher Kadenz. Nach 500 m war ich überzeugt, dass sich Ursula das nicht mehr nehmen lässt. Im Gegenteil - der Vorsprung wuchs stetig an, was den ungarischen Trainer immer wieder bewog, auf die Ergometeranzeige bei Ursula zu schauen. Die Blicke wurden immer tiefer und tiefer und bei uns löste sich die Anspannung. Nach 5.01.8 Min. war die Geschichte erfolgreich zu Ende geschrieben. Ursula feierte einen deutlichen Start-Ziel-Sieg mit persönlicher Bestzeit, damit auch erster Schweizer Rekord und erste offizielle Europameisterin im Indoor Rudern der Klasse AS im Adaptive Rowing. Die Ungarin überquerte die Ziellinie nach 5.52.0 Min. Natürlich ist dieses Resultat nicht über zu bewerten, aber trotzdem eine bemerkenswerte Leistung. Das Trainerteam, wie auch die Athletin selber, wissen dieses Resultat sehr gut einzuschätzen und bleiben auf dem Boden der Realität. Es gilt nun, diese Leistung auch aufs Wasser zu übertragen. Dazu muss nun weiter an den rudertechnischen Feinheiten gearbeitet werden, um das Bestmöglichste Resultat auf dem Wasser herauszuholen. Das vierblättrige Kleeblatt Ursula Schwaller, die Trainer Lena Brina und Hans-Peter Roth sowie Marcel Kaderli, Partner und Betreuer von Ursula, sind jedenfalls voll motiviert, um an diesem Projekt eisern weiter zu feilen.

Kettwig, 28.01.2013 / Hans-Peter Roth