Fünf Schweizer Boote an der Ruder-WM in Chungju am Start

  Fünf Schweizer Boote an der Weltmeisterschaft in Chungju am Start

Vom 25. August bis zum 1. September 2013 finden die Ruder-Weltmeisterschaften in Chungju (Südkorea) statt. Mit 73 teilnehmenden Nationen nehmen mehr Nationen als jemals zuvor an einer Ruder-WM teil. Der Schweizerische Ruderverband ist mit fünf Booten vertreten. Die Schweizer Mannschaft trainiert seit dem 19. August 2013 in Südkorea auf die anstehenden Wettkämpfe hin.

948 Athletinnen und Athleten aus 73 Nationen werden vom 25. August bis zum 1. September 2013 auf dem Tangeum Lake in Chungju (Südkorea) die Welt-Titelkämpfe bestreiten. Der Internationale Ruderverband FISA hat somit für die wichtigste Ruder-Regatta der nacholympischen Saison einen neuen Nationen-Rekord vermelden können. Der bisherige Rekord lieferte vor zwei Jahren die Weltmeisterschaft in Bled (Slowenien) mit 68 teilnehmenden Nationen. Damals haben jedoch insgesamt mehr Boote an der Weltmeisterschaft teilgenommen. Die Weltmeisterschaften werden erstmals in Südkorea ausgetragen. Hierzu wurde auf dem Wasserabschnitt - dem Tangeum Lake, zwischen zwei imposanten Staumauern gelegen, eine neue Regattastrecke mit allen Infrastrukturen von internationalem Standard erstellt.

Fünf Schweizer Boote in Chungju am Start
Der Schweizerische Ruderverband (SRV) hatte nach den erfolgreich verlaufenen Europameisterschaften von Sevilla (31. Mai bis 2. Juni 2013) zunächst vier Boote, Zweier ohne Steuermann Leichtgewichte, Doppelzweier Leichtgewichte, Skiff Leichtgewichte sowie Doppelvierer, für die Weltmeisterschaften in Chungju nominiert. Später kamen mit den nominierten Ersatzleuten Roman Röösli (Seeclub Sempach) und Daniel Wiederkehr (Ruderclub Baden) zwei weitere Ruderer ins Team. Röösli wird die Weltmeisterschaft im Einer bestreiten, solange der Doppelvierer in Originalbesetzung antreten kann.

Den Europameistern im Zweier ohne Steuermann Leichtgewichte, Simon Niepmann (Seeclub Zürich) und Lucas Tramèr (Club d’Aviron Vésenaz) sowie den EM-Dritten im Doppelzweier Leichtgewichte, Simon Schürch (Seeclub Sursee) und Mario Gyr (Seeclub Luzern) war die Selektion gewiss. Die Frage war nur, in welcher Bootsklasse sie an der Weltmeisterschaft antreten werden. SRV-Headcoach Simon Cox entschied sich für die Beibehaltung der erfolgreichen Zweier-Kombinationen von der Europameisterschaft und gegen einen Bootswechsel, zurück in den Vierer ohne Steuermann Leichtgewichte, während der Saison. Nach den Europameisterschaften setzte für die beiden SRV-Flaggschiffe indes eine harte Zeit ein mit Verletzungen von Lucas Tramèr (Knieprobleme) und Mario Gyr (Rippenverletzung). Somit waren beide Zweier-Boote von Verletzungen betroffen und mussten in der weiteren Saisonvorbereitungen Planänderungen vornehmen. So verpasste beispielsweise Mario Gyr den Heim-Weltcup auf dem Rotsee, wo sein Doppelzweier-Partner Simon Schürch im Leichtgewichts-Skiff antreten musste und den guten dritten Platz belegte. Just auf Luzern kehrte Lucas Tramèr in den Zweier-ohne zurück, aber Tramèr/Niepmann fehlten für die Rennen auf dem Rotsee gemeinsame Kilometer, um eine ganze Regatta bis zum letzten Schlag in gewohnter Manier zu absolvieren. Trotz gewonnenem Vorlauf und Halbfinale gab es für das Schweizer Duo auf dem Rotsee letztlich ‚nur‘ einen vierten Rang. Seit knapp drei Wochen trainieren aber sowohl Mario Gyr als auch Lucas Tramèr wieder planmässig in den vorgesehenen Booten, so dass sich die unmittelbare Wettkampfvorbereitung aktuell frei von gravierenden Verletzungssorgen präsentiert.

Ebenfalls mit der WM-Selektion belohnt wurde Michael Schmid (Seeclub Luzern) dank seinem guten vierten Rang an der Europameisterschaft im Skiff Leichtgewichte. Dass er weitere Fortschritte im Training machte, bewies er bei der Weltcup-Regatta auf dem Rotsee, wo er sich im Skiff Leichtgewichte den zweiten Rang sicherte und somit sein bislang bestes Karriereergebnis verbuchen konnte.

Als WM-Novizen darf man die Athleten aus dem Männer-Doppelvierer bezeichnen. Mit Ausnahme von Nico Stahlberg (Ruderclub Kreuzlingen) bestreiten alle Athleten ihre erste Weltmeisterschaft bei der Elite. Barnabé Delarze (Lausanne Sports Aviron), Nico Stahlberg, Augustin Maillefer (Lausanne Sports Aviron) und David Aregger (Ruderclub Schaffhausen) wurden auf diese Saison hin als neue Doppelvierer-Mannschaft formiert und wussten mit guten Rennen zu überzeugen. An der Europameisterschaft gelang ihnen der fünfte Rang, welcher ihnen die WM-Selektion eintrug. An der U23-Weltmeisterschaft, an welcher Roman Röösli (Seeclub Sempach) den Platz von David Aregger einnahm, die Mannschaft aber sonst unverändert an den Start ging, vermochte die Crew den Doppelvierer-Weltmeistertitel in der Altersklasse U23 zu gewinnen. An der WM in Chungju geht es für die junge Mannschaft um das Sammeln von Erfahrungen und das Erreichen der Verbandszielsetzungen. Roman Röösli, als Ersatzmann an die Weltmeisterschaft mitgereist, wird die Rennen im Männer-Einer bestreiten. Abgerundet wird die fünf Boote umfassende Schweizer Delegation durch Daniel Wiederkehr (Ruderclub Baden), der sich als Ersatzmann für die Leichtgewichtsboote fit und bereithält.

Die Konkurrenz für die Schweizer Boote
Im Zweier ohne Steuermann Leichtgewichte sind 10 Boote gemeldet. Lucas Tramèr und Simon Niepmann treffen insbesondere auf die Rotsee-Sieger aus Grossbritannien sowie die als stark eingeschätzte italienische Mannschaft mit dem vielfachen Medaillengewinner Elia Luini an Bord. Die Boote aus Japan, USA, Kanada, Korea und Thailand treffen erstmals in dieser Saison auf die Schweizer Crew. Die Boote aus Deutschland und Österreich hingegen wurden von Tramèr/Niepmann in dieser Saison bislang immer bezwungen. Bei Tramèr/Niepmann wird sich weisen müssen, ob sie nach dem Ende der Verletzung und der Rückkehr in den Zweier rechtzeitig die notwendige Feinabstimmung finden werden, welche ihnen an der EM in Sevilla die Goldmedaille einbrachte. Tramèr/Niepmann bestreiten ihr erstes Rennen am kommenden Montag.

Im Doppelzweier Leichtgewichte ist die Ausgangslage offen. Die bisherige Saison wurde durch die französische Kombination Azou/Delayre geprägt. Sie vermochten sowohl den EM-Titel und den Sieg auf dem Rotsee für sich zu verbuchen. Im WM-Trainingslager der französischen Nationalmannschaft kollidierte indes der im Einer trainierende Delayre mit einem französischen Vierer und zog sich eine schwere Rückenverletzung zu, so dass er für die Weltmeisterschaft gezwungenermassen ausfällt und Azou die WM im Leichtgewichts-Einer bestreitet. Das öffnet das Feld und auf der Basis der bisher erzielten Saisonergebnisse ist besonderes Augenmerk auf die Boote aus Norwegen (EM-Zweite), Polen (Sieger Weltcup Eton), Italien (Weltcup-Zweite auf dem Rotsee), Grossbritannien (Weltcup-Dritte auf dem Rotsee), Holland, Dänemark, Österreich und Deutschland zu legen. Schwierig einzuschätzen sind die erstmals antretenden Boote aus China und den USA. Für Mario Gyr und Simon Schürch gilt ähnliches wie für Tramèr/Niepmann. Es wird sich im Verlaufe der Weltmeisterschaft zeigen, ob der mehrwöchige verletzungsbedingte Ausfall von Mario Gyr und die reduzierte gemeinsame Zeit im Doppelzweier Auswirkungen haben werden. Als EM-Dritte gehören Gyr/Schürch aber allemal in einem Zug mit den oben genannten Nationen genannt. Gyr/Schürch treten am Sonntag zum Vorlauf an. Es sind insgesamt 24 Boote am Start.

Ganze 27 Boote sind bei Michael Schmid im Skiff Leichtgewichte gemeldet. Auch hier ist die Liste der bekannten Namen lang. Weltmeister Henrik Stephansen (Dänemark) kehrt nach einem kurzen Abstecher in den Doppelzweier in den Einer zurück. Er wird dort auf den Inhaber der Skiff-Weltbestzeit, Jérémy Azou (Frankreich) treffen. Auch der Sieger der beiden Weltcup-Rennen von Eton und Luzern, der Portugiese Pedro Fraga, will natürlich um die Medaillenvergabe mitrudern. U23-Weltmeister Campbell (USA) wusste vor wenigen Wochen in Linz positiv aufzufallen. Weiter wird sich der Rotsee-Zweite Michael Schmid mit dem ehemaligen dreifachen Weltmeister Duncan Grant (Neuseeland), dem Ungaren Galambos, dem Deutschen Koch, dem Slowenen Hrvat, dem Bulgaren Vasilev und einigen weiteren bekannten Athleten duellieren. Schmid kann sich also nicht über mangelnde Konkurrenz an der diesjährigen Weltmeisterschaft beklagen. Schmid hat bislang eine erfolgreiche Saison hinter sich und gute Trainingswerte erzielt, so dass er am kommenden Sonntag zuversichtlich in die diesjährige WM-Ausmarchung steigen kann.

Mit 18 gemeldeten Booten ist auch die Konkurrenz der Männer-Doppelvierer stark besetzt. Es sind denn auch alle Boote mit Rang und Namen am Start. Olympiasieger und Europameister Deutschland wird sich für die eingefahrenen Niederlagen gegen Kroatien anlässlich der Weltcup-Rennen in Eton und Luzern revanchieren wollen. Deutschland und Kroatien waren sowohl bei Olympia 2012 wie auch in diesem Jahr die beiden dominierenden Nationen. Dahinter steht eine ganze Menge von Booten bereit, sich für einen Finalplatz zu empfehlen. Estland, Polen, Grossbritannien, Ukraine, Russland, Holland, Italien und Neuseeland sowie das Schweizer Boot, haben in dieser Saison bereits Finaleinzüge erreicht. Gespannt darf man auch auf das Abschneiden der Boote aus den USA und Kanada sein. Für den Schweizer Doppelvierer wird es darum gehen, die gute Rennpraxis auch an der WM in Chungju wieder zu zeigen und entsprechende Erfahrungen in den jeweils eng umkämpften Doppelvierer-Rennen zu sammeln. Ein Rang im Bereich eines virtuellen Olympiaqualifikationsranges (Top 11) ist keine einfache, aber eine realistische Zielsetzung und Erwartungshaltung.

Für den jungen Roman Röösli wird es im 36 Boote umfassenden Einer-Rennen der Männer darum gehen, so viele Athleten wie nur möglich hinter sich zu lassen und den bestmöglichen Rang in der mit 36 Booten quantitativ stark besetzten Bootsklasse zu erreichen. An der Europameisterschaft in Sevilla erzielte Röösli in der gleichen Bootsklasse den 14. Rang. Alle drei Skiff-Medaillengewinner der Olympischen Spiele von London sind gemeldet. Olympiasieger Mahe Drysdale trifft erstmals wieder auf seine Verfolger Ondrej Synek (Tschechien) und Alan Campbell (Grossbritannien). Aber auch der ehemalige Weltmeister Marcel Hacker (Deutschland) sowie der kubanische Newcomer Angel Fournier, der Holländer Braas, der Bulgare Bozhilov, der Slowene Spik, der für Aserbaidschan startende Aleksandrov und der ehemalige Europameister Griskonis (Litauen) sind immer ernstzunehmende Finalkandidaten, so dass das Skiffrennen zu einem regelrechten Showdown werden wird.

Zielsetzungen des Schweizerischen Ruderverbandes
Der Schweizerische Ruderverband hat sich für die diesjährige Weltmeisterschaft drei Boote in den Top 10 und eine Finalplatzierung zum Ziel gesetzt. Dafür werden die fünf im Einsatz stehenden Schweizer Boote sehr schnell rudern müssen. Die Schweizer Delegation hat den Trainingsbetrieb nach der langen Anreise in Chungju planmässig aufnehmen können. Die Boote sind alle eingestellt und die ersten Trainingseinheiten absolviert. Alle Athleten erfreuen sich rund vier Tage vor Beginn der Rennen guter Gesundheit und sind daran den Jet-lag zu überwinden und sich an die feucht-heissen asiatischen Temperaturen anzupassen.

Wahl des FISA-Präsidenten
Nebst den sportlichen Entscheidungen geht es nach der Weltmeisterschaft im Rahmen des FISA-Kongresses auch um die Wahl des FISA-Exekutivkomitees, wobei die Wahl des Präsidenten mit Spannung erwartet wird. Der seit 1989 als FISA-Präsident amtierende Schweizer Denis Oswald wird am 2. September 2013 die Wiederwahl für eine kurze Übergangszeit anstreben. Er hat erklärt, noch vor dem FISA-Kongress 2014 sein Amt niederzulegen, wenn sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin bei den internationalen Sportgremien eingeführt sei. Denis Oswald wurde denn auch vom Schweizerischen Ruderverband für das FISA-Präsidium nominiert. Gleichzeitig soll in Chungju auch seine Nachfolge geregelt werden. Mit Jean-Christophe Rolland (Frankreich), John Boultbee (Australien) und Tricia Smith (Kanada) bewerben sich gleich drei bekannte Persönlichkeiten um das FISA-Präsidium und die Nachfolge von Denis Oswald. Auf den Ausgang dieser sportpolitischen Entscheidung darf man also ebenfalls gespannt sein.

Die Zeitverschiebung gegenüber der Schweiz beträgt sieben Stunden. Alle Weltmeisterschafts-Rennen werden wie gewohnt auf der Website der FISA unter www.worldrowing.com übertragen, ab den Halbfinals auch als Live-Streams.

Die ersten Einsätze der Schweizer Boote
Samstag, 24. August 2013
D. Wiederkehr, Rennen der Ersatzruderer
Sonntag, 25. August 2013
M. Schmid, Vorlauf Skiff Leichtgewichte Männer
M. Gyr/S. Schürch, Vorlauf Doppelzweier Leichtgewichte Männer
B. Delarze/N. Stahlberg/A. Maillefer/D. Aregger, Vorlauf Doppelvierer Männer
R. Röösli, Vorlauf Skiff Männer
Montag, 26. August 2013
S. Niepmann/L. Tramèr, Vorlauf Zweier ohne Stm. Leichtgewichte

Mehr Informationen zur WM in Chungju: www.worldrowing.com

Chungju, 21. August 2013/cs.