Studenten-EM Poznan: Drei Medaillen für die Schweizer Delegation

  Schweizer Studenten gewinnen drei Medaillen an Uni-EM in Poznan

An den achten Uni-Ruder-Europameisterschaften (EUC) in Poznan vom 5.-8. September trat das Schweizer Team mit 25 Athleten an, wobei die Zürcher Studenten mit 20 Athleten das grösste Kontingent stellten. 14 Nationen und 60 Universitäten waren an diesem Wettkampf vertreten. Mit 480 Teilnehmern ist dies auch dieses Jahr wieder der grösste Universitäts-EM unter den Anlässen, die der europäische Universitätssportverband EUSA organisiert. Die Regatta war gut organisiert und fand bei sonnigem Wetter statt; und bei dem für Poznan bekannten starken und zum Teil stürmischen Gegenwind.

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Die Leichtgewichtsmänner holen Gold und Bronze
ETH-Doktorand Franz Gravenhorst (Belvoir RC Zürich) nahm in Poznan zum fünften Mal an einer EUC teil und gewann mit Clemens Bürli (SC Sempach) mit 16 Sekunden Vorsprung den Leichtgewichts-Doppelzweier mehr als klar. Im Feld dabei, aber schliesslich ganz knapp auf dem letzten siebten Platz waren die Teamkollegen Pascal Zibung (SC Luzern) und Jonathan Perraudin (Belvoir RC Zürich). Alle vier bildeten sie einen Leichtgewichts-Doppelvierer, der am Nachmittag zum Finale mit vier Booten antrat. Dabei konnten sich die Hamburger mit dem WM-Finalisten Konradin Steinhübel schnell absetzen, während sich unser Boot mit Nottingham und Wien (mit WM-Teilnehmer Paul Sieber) einen unerbittlichen Dreikampf um die Silber- und Bronzemedaillen lieferten. Dabei wechselten sich die Positionen mehrmals zwischen den drei Teams, bis im letzten Streckenviertel die Engländer sich einen Vorteil einer halben Länge verschafften und die Zürcher sich ein paar Meter vor die Wiener setzten konnten. Im Endspurt konnten sie die Angriffe der Österreicher nochmals abwehren und in hartem Kampf verdient die Bronzemedaille abholen, knapp hinter Nottingham.

Zürcher Studentinnen brillieren im Vierer-ohne
In unserem Frauenboot in der offenen Kategorie sassen zwei frische Absolventinnen des letzten Freshmen-Kurses, Laura Widmer und Melanie Ruosch. Ihnen war im starken Gegenwind nicht anzusehen, dass sie ihr erstes Ruderjahr noch nicht abgeschlossen haben. Zusammen mit Miriam Höner und Stéphanie Lindner (alle vom Belvoir RC Zürich) im Vierer-ohne zeigten sie mit grosser Effizienz ein gut eingeteiltes, kraftvolles Rennen, in dem sie mit den favorisierten Ruderinnen von Durham (GB) mitzogen und die Deutschen aus Mainz und Polinnen aus Bydgoszcz schnell distanzierten. Die Silbermedaille kam auch in den Windböen nicht mehr in Gefahr, und so konnte sich das Schweizer Team über die Komplettierung des Medaillensatzes freuen. Weitere Topplätze konnten die Leichtgewichts-Frauen Eliane Baumberger (Belvoir RC Zürich) und Patricia Holenstein (RC Schaffhausen) im Doppelzweier mit Platz vier und in den Skiffs mit den Rängen fünf und acht heimholen. Nach zwei Vorlaufsiegen hatten wir sogar auf Medaillen gehofft, die in den schwierigen Bedingungen unseren Ruderinnen nicht möglich waren.

Starker Auftritt auch in der Königsklasse
Diese drei Medaillen waren die Krönung der Leistungen einer starken Zürcher Delegation, die dem ASVZ einen Pokal für die viertbesten Stadt im Universitätsrudern in die Limmatstadt bringen kann. Die Zürcher traten zum ersten Mal auch in einer Königsklasse, dem prestigeträchtigen Männerachter an, in dem zehn Universitätsstädte um die Medaillen kämpften. Im Achter stellten sechs Ruderer und Steuerfrau Joyce Maher vom Belvoir RC Zürich drei Viertel der Mannschaft, und wurden mit Markus Kessler (RC Schaffhausen) und Timon Wernas (SC Luzern) ergänzt. Das Team zeigte mit Rang drei im Vorlauf vom Freitag einen guten Einstand an den EUC und ging mit Finalabsichten in den Hoffnungslauf, aus dem sich die ersten zwei von sechs Booten für Finale qualifizieren konnten. Dieser Lauf war eines der knappsten Rennen in Poznan: Alle sechs Boote waren nach Streckenhälfte noch auf gleicher Höhe. Die Zürcher übernahmen darauf mit einigen Metern Vorsprung die Führung, doch im Endspurt griffen Hamburg und St. Petersburg nochmals an, sodass diese drei Boote in derselben Sekunde die Linie überquerten... Leider reichte es um 37 Hundertstelsekunden noch nicht fürs grosse Finale, doch die Show, in der unser Achter zeigte, war beeindruckend. Im B-Finale zeigte dann der Achter eine weitere Steigerung und einen tollen Endspurt, sodass sie diesen Lauf mit über einer Bootslänge gewannen und Rang sieben verbuchen. Auch Achter-Ersatzmann Denis Kohli (ETH bzw. RC Reuss Luzern) wurde Siebter, er startete im Schwergewichts-Einer.

Lausanne-Doppelvierer und Philippe Denier nur haarscharf an Medaillen vorbei
Sehr gespannt waren wir auch auf den allerersten Auftritt der EPFL Lausanne bzw. Lausanne Sports, die mit den Kader-Leichtgewichten Vincent Giorgis und Guillaume Sommer, dem “schweren” WM-Teilnehmer Romain Loups sowie Coupe de la Jeunesse-Sieger Guillaume Graf im Doppelvierer antraten. Trotz verschärftem Gewichtsnachteil im Gegenwind waren sie an der Spitze des Feldes mit drei weiteren Vierern dabei, bis ein kleiner Krebs bei Streckenhälfte sie um ein paar Meter zurückwarf. Die Polen aus Bydgoszcz und das deutsche Boot von Bremen lieferten sich an der Spitze ein Duell, während die Westschweizer auf den letzten 500 Metern die Heimmannschaft aus Poznan wieder angriff und mit einer unglaubliche Parforceleistung über eine Länge aufholte. Mit den zweitschnellsten letzten 500 Metern konnte Lausanne so fast die Posner bezwingen, nur um eine halbe Sekunde wurde ihr superstarkes Rennen nicht mit einer Medaille gekrönt. Die total erschöpften Polen zeigten aber grossen Respekt vor den mutigen Eidgenossen.

Der einzige Teilnehmer der Hochschuhe St. Gallen, Philippe Denier, vertrat seine Universität im schweren Skiff. Nach problemloser Final-Qualifikation am Samstag zeigte er im Finale sein stärkstes Rennen: Er spiele seine Spurtstärke im Start- und Endspurt aus und zeigte sein konstantestes Rennen über die Streckenmitte. Auf den letzten 500 Metern holte er so fast vier Sekunden auf den Briten Lewis McCue auf, was nur um eine Sekunde nicht für Bronze reichte, mit Rang vier hat er sich im Vergleich zu seiner letzten Studenten-EM um einen Platz verbessert.

Schweiz auf Rang fünf
Die Schweizer Delegation war mit 25 Athleten so gross und mit drei Medaillen und sieben Top 5-Rangierung so erfolgreich wie noch nie an einer Uni-Rudereuropameisterschaft. Die Betreuer Tiziana Tiberini und Camille Codoni konnten das erfolgreiche Wochenende mit einem letzten Gewinn abschliessen: Die Schweiz wurde für den fünften Rang in der Nationenwertung mit einem Pokal geehrt. Gesamtsieger war Deutschland vor Gastgeber Polen, dem Vereinigten Königreich und Österreich. Die Achter-Steuerfrau Joyce Maher nahm diesen Preis für den Schweizer Rudersport entgegen.

Poznan/Zürich, 10.09.2013/Camille Codoni