Hervorragende Silbermedaille und Sieg im Gesamtweltcup für den leichten Vierer auf dem Rotsee

  Hevorragende Silbermedaille für den leichten Vierer auf dem Rotsee

Die Schweiz jubelte am Sonntag am Rotsee während dem Weltcupfinale der olympischen Bootsklassen: Silber für ihren Leichtgewicht-Vierer mit Simon Schürch, Mario Gyr, Lucas Tramer und Simon Niepmann. Damit präsentierte sich die Schweiz anderthalb Monate vor der WM in Aiguebelette/Frankreich und bereits ein Jahr vor Olympia mit einem sehr schlagkräftigen Flaggschiff. In den B-Finalen klassierten sich drei weitere Schweizer Boote: der Männer-Doppelvierer und der Frauen-Einer sowie der Frauen-Leichtgewichtdoppelzweier.

>> Bericht SRF Sportpanorama vom 12.07.2015
>> Bilder Weltcup Luzern vom 12.07.2015
(von D. Seyb, Swiss Rowing)
>> Resultate Rotsee-Finals 2015
>> Resultatblatt Final A Vierer-ohne Lgw.
>> Stand im Gesamtweltcup 2015

An den Ufern war kaum ein Durchkommen. Menschen über Menschen säumten den Rotsee. Die Stimmung schlug hohe Wogen. Kein Wunder, da eine Schweizer Crew in den Weltcupfinalrennen im Kampf um die Medaillen dabei war. Und es war nicht nur irgendein Schweizer Boot, sondern das Flaggschiff des Schweizerischen Ruderverbandes (SRV): der Leichtgewicht-Vierer mit den Europameistern Simon Schürch (SC Sursee), Mario Gyr (SC Luzern), Lucas Tramer (CA Vesenaz/Basler RC) und Simon Niepmann (SC Zürich/Basler RC). Auf dem Göttersee waren sie jeweils Start-Ziel-Sieger in ihrem Vorlauf und ihrem Halbfinale. Die Hoffnungen waren gross und die Chancen intakt, das Finale zu gewinnen. Doch das Finale lief anders als die vorherigen Rennen, ein Schauspiel in vier Akten sich stets zuspitzend: Ein ungewohnt verhaltener Start liess das Schweizer Riemenquartett bei erstem Streckenviertel zunächst auf fünfter Position laufen, um dann aufzudrehen Schlag um Schlag und aufzuräumen bis Streckenhälfte in die dritte Position. Von da an ging es um Gold oder Silber. Je näher das Geschehen in den Zielbereich kam, umso mehr wurde der Rotsee zum Hexenkessel: Kuhglocken und lautes „Hopp Schwiiz“ des tobenden Publikums übertönten beim letzten Streckenviertel nahezu die Streckenreportage. Die Neuseeländer liessen sich dennoch, wenn auch herausgefordert von den Schweizern, ihre Führungsposition seit Streckenviertel nicht mehr nehmen. Quasi wie eine Ironie der ganzen Geschichte: ein Neuseeländer namens Ian Wright ist seit letzten Spätherbst der neue Nationaltrainer für den Schweizer Rudersport. Mit und dank ihm haben diese vier Schweizer Riemenruderer der Weltklasse das Fürchten gelernt.

Hut ab dem Leichgewicht-Vierer
Silber war der Lohn für die Schweizer Crew. Dies sicherte ihr den Weltcupgesamtsieg, den ersten seit 2001 (Markus Gier/Nicolas Lätt im leichten Doppelzweier). An der ersten Weltcupregatta in Bled schaute Gold heraus, aber ohne Anwesenheit der Neuseeländer. Seit Weltcupregatta Varese sind ihnen die Neuseeländer zum Mass aller Dinge geworden und werden es bis zur Weltmeisterschaften in Aiguebelette/Frankreich Ende August sein. Und bemerkenswert zu den Schweizern: Sie schlugen ab Streckenhälfte die Dänen, die vorjährigen Weltmeister, die es in Amsterdam mit Weltbestzeit geworden waren. Darüber kommentierte Andreas Bucher, OK-Präsident der Ruderwelt Luzern, begeistert: „Was für ein Rennen; ich verneige mich vor der Schweizer Crew.“ – und zog elegant den Panama-Hut von seinem Haupt.

Schweizer B- und C-Finalisten
Weniger laut ging es für die Schweizer in den B-Finalen (Plätze 7-12) zu und her. Der Männer-Doppelvierer mit Roman Röösli (SC Sempach), Augustin Maillefer (Lausanne SA), Nico Stahlberg (RC Kreuzlingen) und Barnabe Delarze (Lausanne SA) belegte Rang 2 und damit in der Gesamtklassierung Rang 8. Der Frauen-Einer mit Jeannine Gmelin (RC Uster), der EM-Zweiten, landete auf Rang 3 und lagt damit im Schlussklassement auf Rang 9 und der Frauen-Leichtgewichtdoppelzweier mit Frederique Rol (Lausanne SA) und Patricia Merz (SC Zug) kam über seine Position 6 nie heraus und beendete das Rotsee-Debüt mit Schlussrang 12. Bereits am Samstag waren im C-Final (Plätze 13-18) bei den Männern der Zweier-ohne mit Markus Kessler und David Aregger (beide RC Schaffhausen) auf Rang 6 (Schlussklassierung 18.) und der Leichtgewichtdoppelzweier mit Michael Schmid (SC Luzern) und Daniel Wiederkehr (RC Baden) auf Rang 3 (Schlussklassierung 15.) zu finden. Die Doppelzweier-Crew war in Bled noch sechste. Der unfallbedingte Handbruch von Michael Schmid wirkte sich beim Rotseestart fatal aus.

Neuseeland Gesamtweltcupsieger
Die dreiteilige Weltcupserie hatte ihren Beginn in Bled. Erst in Varese stiess die neuseeländische Crew dazu und räumte bis und mit Rotsee bei einer Gesamtbilanz von 117 Punkten regelrecht ab. Ohnehin steht Neuseeland auf dem Medaillenspiegel der 20 Nationen in 14 olympischen Bootsklassen zuvorderst: 9 Medaillen (5 Gold, 3 Silber 1 Bronze). Gewonnen wurden bei den Männern der Einer (der WM-Zweite Mahe Drysdale), der Zweier-ohne (Eric Murray, Hamish Bond) und der Leichtgewichtvierer (James Hunter, Alistair Bond, James Lassche, Curtis Rapley), bei den Frauen der Doppelzweier (Eve Macfarlaine, Zoe Stevenson) und der Leichtgewichtdoppelzweier (Sophie Mackenzie, Julia Edward). Der Kiwi-Nation folgen Grossbritannien und Australien mit je 5 Medaillen, davon jeweils zweimal Gold: bei den Australiern der Frauen-Einer mit Kim Crow (WM-Zweite) und sensationell der Männer-Vierer-ohne (William Lockwood, Alexander Lloyd, Spenceer Tamin, Alexander Hill); bei den Briten der Frauen-Zweier-ohne (Helen Glover, Heather Stanning) und der Männer-Achter mit 8/100 über den Deutschland-Achter von Ralf Holtmeyer. Immerhin verbuchte Deutschland vier Medaillen, davon jeweils überragend Gold im Frauen-Doppelvierer (Annekatrin Thieder, Carina Bär, Marie-Kathrine Arnold, Lisa Schmidla) und im Männer-Doppelvierer (Karl Schulze, Philipp Wende, Lauritz Schoof, Hans Gruhne). Nochmals zum Männer-Achter: Neuseeland ist mit sehr überraschendem Bronzegewinn nebst den britischen Siegern der weitere Bedränger für den Deutschland-Achter.

Applaus dem Publikum
Für Österreich war der sechste Rang mit Magdalena Lobning im Frauen-Einer gewissermassen ein Achtungserfolg. Mehr Beachtung fand aber im beliebten internationalen Städte-Achterrennen der Junioren U 19 bei einer Rekordbeteiligung von elf Crews aus vier Nationen als Derby zum Rotsee-Lunch die erfolgreiche Verteidigung der Vorjahressieger aus Wien. Das Publikum applaudierte. Andreas Bucher von der Ruderwelt Luzern dankte dem Publikum: „Es kam zahlreich, machte mit und pushte den Schweizer Vierer zu Silber.“ Zirka zehntausend war die Anzahl der Zuschauer gewesen sein. „Die Tribüne und alle Tische zum Rotsee-Lunch waren ausverkauft“, so Buchers Bilanz.

Rotsee von grösstem Wert für den Rudersport
Bestes Kompliment kam aus dem Munde des jungen FISA-Präsidenten Jean-Christophe Rolland, einst selber Rotseesieger: „Le Rotsee, toujours le plus grand valeur pour l`aviron.“ An diesem Wert wird weitergearbeitet. Die neue Startanlage im Rahmen der Gesamterneuerung der Naturarena Rotsee für den Weltruder hatte ihre Weltcuppremiere; Fazit: kein Fehlstart! Und ein Tag nach dem Rotsee-Weltcupfinale wird mit dem Abriss des Rotseezentrums begonnen. Gebaut wird für die Zukunft. Im Olympiajahr 2016, 27.-29. Mai, wird sich die Ruderwelt Luzern gesamt erneuert im besten Einklang mit der Natur repräsentieren.

Christian Schweizer
Bulletinier Ruderwelt Luzern 2015
www.ruderwelt-luzern.ch/home.html

Luzern, 12. Juli 2015