U23-WM Plovdiv: Zwei Bronzemedaillen für die Schweiz

  Bronzemedaillen für Patricia Merz/Frédérique Rol sowie Pascale Walker

Schweizer Frauen-Power auch heute Sonntag an der U23-Weltmeisterschaft in Plovdiv. Im Leichtgewichts-Doppelzweier der Frauen holten sich Frédérique Rol und Patricia Merz im vierten Anlauf die ersehnte Weltmeisterschaftsmedaille. Einen gewissen positiven Überraschungscharakter hat die Bronzemedaille von Pascale Walker, die mit einem ganz starken Rennen im Frauen-Einer für ihre Leistung mit Bronze belohnt wurde. Mit fünf Top-10 Rangierungen erfüllte die Schweizer Delegation in Plovdiv die Verbandszielsetzung.

>> Resultate U23-WM Plovdiv 2015 (pdf)
>> Medaillenspiegel U23-WM Plovdiv
>> Fotogalerie Finalsonntag/Siegerehrungen  (Fotos: Seyb/Halacheva)
>> Fotogalerie vom Samstag, 25.07.2015 (Fotos: D. Seyb; P. Halacheva)
>> Fotogalerie Qualifikation U23-WM 2015 (Fotos: D. Seyb, Swiss Rowing)

Wie schon in der ganzen Woche, herrschten auch heute Sonntag für die Finalrennen wieder hochsommerliche Temperaturen. Die Regattastrecke präsentierte erstmals einen leichten Mitwind für die ersten Finalrennen, der dann aber gegen die Mittagszeit wieder einschlief und zu einem leichten Gegenwind wurde. Die Regattabahn von Plovdiv offerierte den U23-Athletinnen und –athleten aber die ganze Woche faire Verhältnisse und ideale Ruderbedingungen.

Patricia Merz und Frédérique Rol mit der Bronzemedaille belohnt
Es war für Patricia Merz und Frédérique Rol eine hart erkämpfte Medaille und sie strahlt umso wertvoller, da es ein Rennen der Sonderklasse war. Neuseeland pulverisierte die bisher gültige je an einer U23-Weltmeisterschaft geruderte Bestzeit um fünf Sekunden. Dementsprechend schnell verlief das Rennen auf hohem Leistungsniveau. Doch der Reihe nach. Es war die vierte gemeinsame Finalteilnahme von Patricia Merz und Frédérique Rol im leichten Frauen-Doppelzweier in Serie. Nach zwei sechsten Rängen und dem vierten Rang voriges Jahr in Varese, lautete die Aufgabenstellung heute ganz klar: „Gewinn einer Medaille.“ Patricia Merz und Frédérique Rol starteten gut ins Rennen und etablierten sich zusammen mit den schwierig einzuschätzenden Chinesinnen auf dem zweiten Platz hinter den klar führenden Neuseeländerinnen. Kurz vor Streckenhälfte gelang es Merz/Rol, die Chinesinnen zu überholen und bis zu einer halben Bootslänge Vorsprung herauszurudern. Die Chinesinnen gaben aber nicht auf und kämpften sich zurück. Auch Rumänien machte von hinten Tempo, so dass China wieder zu Merz/Rol aufschloss. Dann waren es die Chinesinnen, welche eine Luftkastenlänge Vorsprung herausruderten. Rumänien fuhr in die Bojen, verlor den Rhythmus kurzzeitig und fiel aus der Medaillenentscheidung. China und die Schweiz sprinteten auf den letzten 250 Metern um die Silbermedaille. China behielt eine Luftkastenlänge Vorsprung. Gold ging an Neuseeland mit neuer U23-Weltbestzeit. Silber erruderte sich China. Für Frédérique Rol und Patricia Merz resultiere die Bronzemedaille. Die beiden freuten sich sichtlich über ihre erste Medaille an einer Weltmeisterschaft.

Pascale Walker zeigt ihr stärkstes Rennen und wird mit Bronze belohnt
Im Final der Frauen-Skiff zeigte Pascale Walker heute ihr bislang bestes Rennen auf internationalen Gewässern. Auf der Aussenbahn gehörte sie nicht unbedingt zu den Medaillenanwärterinnen, glaubte jedoch an ihre Chance, mit einem guten Rennen eine gute Platzierung zu erreichen. Pascale Walker erwischte einen sehr guten Start ins Rennen und war von Anfang an gut im Rennen dabei. Zuerst an vierter Stelle rudernd, gelang es ihr auf dem zweiten Streckenviertel die Deutsche Leiding aufzuholen und zu überholen. Die Deutsche wehrte sich nach Kräften, doch Pascale Walker witterte zunehmend ihre Chance auf eine Medaille. Auf dem dritten Streckenviertel gelang es Pascale Walker mehr als eine Bootslänge Vorsprung auf die Deutsche und die endspurtstarke Lettin Gulbe herauszurudern. Die Lettin verliess sich zwar wieder auf ihren Endspurt, kam aber nicht mehr an Pascale Walker heran, die sicher auf dem Bronzeplatz über die Ziellinie ruderte. Gold ging an die favorisierte Litauerin Adomaviciute, Silber holte sich die Schwedin Claesson. Mit dieser Bronzemedaille holt Pascale Walker ihre erste internationale Meisterschaftsmedaille überhaupt.

Beide Männer-Doppelzweier auf dem 9. Schlussrang
In den B-Finals traten am Sonntagmorgen die beiden Schweizer Männerdoppelzweier in der schweren und leichten Ausgabe an. Im schweren Doppelzweier ruderten Damien Tollardo und Jacob Blankenberger ihr bestes Rennen der Regatta. Die Schweizer Bugspitze tauchte immer in den ersten Positionen des Rennens auf, obwohl das Rennen lange Zeit nahe beieinander lag. Die auf einer Aussenbahn rudernden Schweizer schoben ihr Boot mit viel Druck am Blatt an. Erst im Endspurt mussten sie die stark aufkommenden Italiener noch ziehen lassen. Im Ziel gewann das favorisierte Frankreich, knapp vor Italien und der Schweiz. Mit etwas mehr als einer halben Bootslänge Rückstand liefen Tollardo/Blankenberger im Ziel ein. Mit diesem Rennen gelang dem Duo ein versöhnlicher Abschluss dieser U23-Weltmeisterschaft, die zwischenzeitlich so schwierig war für die beiden Athleten, da Damien Tollardo an einer starken Atemweginfektion leidet. Den gleichen Rang erzielten im leichten Doppelzweier auch Joel Schürch und Fiorin Rüedi. Die Leichtgewichtskombination hatte mit einer Finalqualifikation geliebäugelt, war aber in den B-Final verwiesen worden. Schürch und Rüedi kämpften das ganze Rennen hindurch und lagen meist an zweiter Stelle, jeweils eine knappe Bootslänge hinter den späteren Siegern aus Serbien liegend. Auf dem zweiten Streckenteil waren es aber plötzlich die auf Bahn 1 rudernden Ungaren, welche eine regelrechte Steigerungsfahrt hinlegten, einem Endspurt über 750 Meter gleichkommend. Rüedi und Schürch mussten die Ungaren passieren lassen und erreichten das Ziel hinter Serbien und Ungarn an dritter Stelle mit etwas mehr als einer Bootslänge Rückstand.

Schweizer Delegation erfüllt die Verbandszielsetzungen
Mit fünf Booten in den Top 10, darunter drei Finalboote, welche zwei Bronzemedaillen gewinnen konnten, ist die Verbandszielsetzung mehr als erfüllt. Es waren die ganze Woche hindurch vor allem die Frauen-Boote, welche für Furore sorgten und sich für die A-Finals qualifizieren konnten. Während für Patricia Merz und Frédérique Rol ein Medaillengewinn erhofft werden durfte, hat die Bronzemedaille von Pascale Walker einen gewissen positiven Überraschungseffekt. Die Schweizer Boote konnten ihr Leistungspotenzial abrufen, waren vom Trainerteam ausgezeichnet vorbereitet und gut auf die harten Rennen dieser U23-Weltmeisterschaft eingestellt. Alle Boote zeigten gute Rennen. Die Boote, welche im B-Finale waren, hätten gerne noch bessere Platzierungen erreicht, was wiederum darauf hindeutet, dass die Ambition bei allen Athleten hoch ist.

Resultate von Rennen mit Schweizer Beteiligung.
Rudern: U23-Weltmeisterschaften in Plovdiv (Bulgarien) – 26. Juli 2015

Frauen
Skiff (Final A): 1. Ieva Adomaviciute (Lit) 7:40,52. 2. Lovisa Claesson (Sd) 7:45,13. 3. Pascale Walker (Sz) 7:50,55. 4. Julia Leiding (De) 7:54,20. 5. Elza Gulbe (Lett) 7:54,31. 6. Valentina Plejic (Kro) 8:10,16.

Doppelzweier Leichtgewichte (Final A):
1. Zoe McBride/Jackie Kiddle (Neus) 6:54,83 (neue U23-WM Bestzeit). 2. Nan Gao/Miao Wang (China) 7:00,75. 3. Frédérique Rol/Patricia Merz (Sz) 7:01,55. 4. Federica Cesarini/Bianca Pelloni (I) 7:07,33. 5. Ionela-Livia Lehaci/Gianina-Elena Beleaga (Rum) 7:09,05. 6. Katarzyna Welna/Paula Wydrych (Pol) 7:10,66.

Männer
Doppelzweier Leichtgewichte (B-Final, Ränge 7-12):
1. Petar Jovanovic/Marco Josic (Serb) 6:34,06. 2. Bence Szlovak/Peter Csiszar (Un) 6:35,49. 3. Joel Schürch/Fiorin Rüedi (Sz) 6:37,51. 4. Lukasz Stasiewicz/Jaroslaw Zapal (Pol) 6:41,28. 5. Yoshihiro Otsuka/Atsushi Nagata (Jap) 6:41,32. 6. Serhii Siabro/Roman Fedorenko (Ukr) 6:47,18.

Doppelzweier (B-Final, Ränge 7-12): 1. Thomas Cousin/Maxime Ducret (Fr) 6:28,52. 2. Federico Garibaldi/Davide Mumolo (I) 6:29,00. 3. Damien Tollardo/Jacob Blankenberger (Sz) 6:30,09. 4. Luke Letcher/Thomas Schramko (Aus) 6:35,03. 5. Geir Suursild/Juri-Mikk Udam (Est) 6:37,86. 6. Ante Ancic/Tomislav Sain (Kro) 6:47,04.