Eine Ruder-Weltmeisterschaft der Rekorde im Zeichen der Olympiaqualifikation auf dem Lac d‘Aiguebelette

  Eine Ruder-Weltmeisterschaft der Rekorde im Zeichen der Olympiaqualifikation auf dem Lac d‘Aiguebelette

Die am Sonntag, 30. August 2015 startende Ruder-Weltmeisterschaft auf dem idyllischen Lac d’Aiguebelette in Savoyen (Frankreich) ist eine Weltmeisterschaft der Rekorde. 77 Nationen haben 1300 Athletinnen und Athleten in insgesamt 516 Booten für die vorolympischen Titelkämpfe selektioniert. Der Schweizerische Ruderverband hat 14 Ruderinnen und Ruderer in sechs Booten am Start. Die Weltmeisterschaft ist in diesem Jahr Saisonhöhepunkt und die erste Möglichkeit zur Olympiaqualifikation zugleich.

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Nie waren mehr Nationen und Ruderinnen und Ruderer für eine Weltmeisterschaft angemeldet. 77 Nationen haben ihre besten Boote für den Saisonhöhepunkt auf dem Lac d’Aiguebelette (Frankreich) gemeldet. Im Vergleich zur Weltmeisterschaft in Bled (Slowenien) vor vier Jahren sind über 60 Boote mehr am Start. Der malerisch gelegene See liegt in den Bergen Savoyens nahe der Städte Chambéry und Aix-les-Bains. Die Weltmeisterschaften 2015 sind nicht zuletzt deshalb so beliebt, funktionieren sie doch als Hauptqualifikationsmöglichkeit für die Olympia-Regatta 2016 in Rio de Janeiro. Rund 129 Startplätze werden aufgrund der an dieser Weltmeisterschaft erzielten Ergebnisse vergeben. Separate kontinentale Qualifikationsmöglichkeiten in Asien, Afrika und Südamerika werden folgen, bevor dann im Mai 2016 in Luzern die restlichen Startplätze im Rahmen einer eigenen Olympia-Qualifikationsregatta zur Ausmarchung kommen.

Schweizer Delegation mit guter Vorbereitung
Die sechs selektionierten Schweizer Boote haben ein mehrwöchiges Trainingslager zunächst im nationalen Ruderzentrum in Sarnen und in der letzten Woche auf der Regattabahn in Libourne (Frankreich) hinter sich. „Die Vorbereitungen verliefen gut. Wir haben seit der letzten Weltcup-Regatta in Luzern bei allen Booten Fortschritte erzielen können.“ sagt Ian Wright, der für die Schweizer WM-Vorbereitung zuständige Headcoach.

Leichtgewichts-Vierer möchte erfolgreiche Saison fortführen
Angeführt wird die Schweizer Delegation vom Leichtgewichts-Vierer, der sich in diesem Jahr zum Schweizer Flaggschiff entwickelt hat. Mario Gyr (Seeclub Luzern), Simon Niepmann (Seeclub Zürich/Basler Ruderclub), Simon Schürch (Seeclub Sursee) und Lucas Tramèr (Club d’Aviron Vésenaz/Basler Ruderclub) haben bislang eine sehr erfolgreiche Saison 2015 erlebt. Der Sieg an den Europameisterschaften in Poznan sowie die Weltcup-Podestplätze in Bled (1. Rang), Varese (2. Rang) und Luzern (2. Rang), verbunden mit dem Gewinn des Gesamtweltcups, sind eine gute Ausgangslage für die Weltmeisterschaften. Im Leichtgewichts-Vierer werden sich die ersten 11 Mannschaften der diesjährigen WM für Olympia qualifizieren. Das Schweizer Quartett kann in dieser Richtung also ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg an die Olympischen Spiele erreichen. Insgesamt haben 24 Nationen einen Leichtgewichts-Vierer gemeldet, darunter auch die Dauerrivalen der Schweizer aus Neuseeland, Frankreich, Dänemark, Grossbritannien und China.

Michael Schmid und Daniel Wiederkehr im leichten Doppelzweier
Ebenfalls in der Leichtgewichtskategorie am Start sind im Doppelzweier Michael Schmid (Seeclub Luzern) und Daniel Wiederkehr (Ruderclub Baden). 33 Boote sind in dieser populären Bootsklasse am Start vertreten. Elf Boote werden sich für Olympia einen Quotenplatz ergattern können. Das leichte Doppelzweier-Projekt hat eine Saison in wechselnden Besetzungen hinter sich. Nachdem sich Michael Schmid kurz vor der Europameisterschaft einen Mittelhandknochen gebrochen hatte und mehrere Wochen ausfiel, rückte zunächst Silvan Zehnder zu Daniel Wiederkehr ins Boot. Beim Weltcup in Luzern erzielten Schmid/Wiederkehr einen 15. Platz und musste feststellen, dass sie vor allem auf der ersten Streckenhälfte zu viel Zeit liegen liessen. Seither konnte das Duo im Trainingslager von Verletzungen ungehindert trainieren und sich in WM-Form bringen.

Frédérique Rol und Patricia Merz mit dem Schwung aus der U23-WM am Start
Im Leichtgewichts-Doppelzweier der Frauen sind wie schon im letzten Jahr Frédérique Rol (Lausanne Sports Aviron) und Patricia Merz (See-Club Zug) für die Schweiz am Start. Das Duo konnte vor Monatsfrist an der U23-Weltmeisterschaft mit dem Gewinn der Bronzemedaille in der gleichen Bootsklasse überzeugen und hat dadurch viel Motivation getankt. Schon in der ganzen Saison rudern die beiden Athletinnen solide Rennen mit schnellen Fahrzeiten. An der Weltmeisterschaft treffen die beiden Athletinnen auf ungleich mehr und noch stärkere Konkurrenz als in der U23-Kategorie. Nie zuvor haben die beiden Athletinnen mehr in ihr Training investiert als in dieser Saison, was sich in resultatmässigen Fortschritten auch auszahlte. 27 Nationen haben in dieser Kategorie gemeldet und traditionellerweise ist die Dichte in dieser Bootsklasse sehr hoch, dass die Ausgangslage sehr offen ist. Die besten elf Mannschaften erhalten einen Quotenplatz für die Olympischen Spiele zugesprochen. 

Jeannine Gmelin im Feld der Frauen-Einer
Als zweites Schweizer Frauenboot wird Jeannine Gmelin (Ruderclub Uster) an den Start gehen. Auch Jeannine Gmelin darf auf eine gute, bisherige Rudersaison 2015 zurückblicken, wobei der Gewinn der EM-Silbermedaille an der EM in Poznan sicher das ultimative Saisonhighlight war. Im Weltcup ruderte Jeannine Gmelin konstant in der vorderen Hälfte der kleinen Finals. 35 Nationen haben im Frauen-Einer gemeldet für die Weltmeisterschaft, jedoch nur die ersten neun Boote werden sich für Olympia 2016 qualifizieren können. Es ist ein hartes Stück Arbeit angesagt, um sich in den Qualifikationsrennen von Anfang an gut positionieren zu können. Dank den guten Ergebnissen, der harten Trainingsarbeit im Einer in dieser Saison sowie dank der hohen Konstanz ihrer Rennen darf Jeannine Gmelin zuversichtlich auf den Beginn dieser Weltmeisterschaften blicken.

Neue Ausgangslage im Männer-Doppelvierer
In der Männer-Doppelviererkategorie hat es für die Olympiaqualifikation Veränderungen gegeben. Während sich in früheren Jahren jeweils die besten elf Boote der Weltmeisterschaft einen Quotenplatz sichern konnten, werden in diesem Jahr die besten acht Boote qualifikationsberechtigt sein. Für die Schweiz sind Barnabé Delarze (Lausanne Sports Aviron), Roman Röösli (Seeclub Sempach), Augustin Maillefer (Lausanne Sports Aviron) und Nico Stahlberg (Ruderclub Kreuzlingen) am Start. Das Quartett erlebte eine Saison mit Hochs und Tiefs bislang. Während an der Europameisterschaft in Poznan die Finalqualifikation nicht gelang, ruderte das Quartett am zweiten Weltcup in Varese im A-Final. An der Heimregatta in Luzern resultierte dann wieder ein Platz im kleinen Finale. Insgesamt haben 16 Nationen ihre besten Doppelvierer für die WM in Aiguebelette angemeldet. Auch wenn es quantitativ keine Rekordmeldung ist, so ist es ein qualitativ sehr hochstehendes Teilnehmerfeld, das von Anfang an sehr gute Rennen verlangt, um sich in eine gute Ausgangslage zu bringen.

Markus Kessler vom Zweier-ohne in den Einer zurück
Markus Kessler (Ruderclub Schaffhausen) wurde nach der Weltcup-Regatta in Luzern zusammen mit Clubkollege David Aregger für diese Weltmeisterschaft im Zweier ohne Steuermann selektioniert. David Aregger erlitt im Trainingslager Ende Juli eine Stressfraktur an einer Rippe und fiel dadurch leider verletzungsbedingt für diese Weltmeisterschaft aus. Markus Kessler blieb nichts anderes übrig, als in den Einer zurück zu wechseln, in welchem er bereits anfangs Saison Rennen bestritten hatte und insbesondere an der Weltcup-Regatta in Bled mit einem dritten Rang zu gefallen wusste. Markus Kessler bestreitet die Weltmeisterschaft gegen 40 weitere Konkurrenten im Männer-Einer, darunter so bekannte Skiffiers wie Mahe Drysdale (Neuseeland), Ondrej Synek (Tschechien), Angel Fournier (Kuba) oder Alan Campbell (Grossbritannien). Im Männer-Einer werden die ersten neun Athleten einen Quotenplatz für die Olympischen Spiele ergattern.

Der gute Ruf des Lac d’Aiguebelette
Der Lac d’Aiguebelette ist idyllisch in den Savoyer Bergen gelegen. Es ist ein natürlicher See mit auffällig türkisfarbenem Wasser. Auch wenn die Thermik gewissen Wind erzeugen kann, verfügt die Regattastrecke über einen guten Ruf, für alle Rennbahnen faire Bedingungen zu bieten. Nach den verwindeten Weltmeisterschaften in Amsterdam im Vorjahr also beste Bedingungen für eine Weltmeisterschaft mit Olympiaqualifikation.

Die Weltmeisterschaft auf dem Lac d’Aiguebelette beginnt am Sonntag, 30. August mit den Vorläufen und dauert bis zum Sonntag, 6. September 2015. Mit Ausnahme des leichten Vierer-ohne starten alle Schweizer Boote am Sonntag zu den Vorläufen. Der leichte Vierer-ohne wird am Montagmittag seinen Vorlauf zu bestreiten haben.

Programm Weltmeisterschaften Lac d‘Aiguebelette:
Sonntag, 30. August 2015: Vorläufe
Montag, 31. August 2015: Vorläufe und Hoffnungsläufe
Dienstag, 1. September 2015: Hoffnungsläufe
Mittwoch, 2. September 2015: Hoffnungsläufe und Viertelfinals
Donnerstag, 3. September 2015: Viertelfinals, Halbfinals, Finals Para-Rowing
Freitag, 4. September 2015: Halbfinals, Finals Internationale Events, Platzierungsrennen
Samstag, 5. September 2015: Finals olympische Kategorien, Platzierungsrennen
Sonntag, 6. September 2015: Finals olympische Kategorien, Platzierungsrennen

Aiguebelette, 28. August 2015/cs.