WM Aiguebelette: Hintergrund-Interview mit Jeannine Gmelin

  WM Aiguebelette: Hintergrund-Interview mit Jeannine Gmelin

Jeannine Gmelin ruderte gestern in ihrem Viertelfinal auf den zweiten Rang hinter der Chinesin Duan und mit sicherem Vorsprung auf Österreichs Magdalena Lobnig. Ihr gelingt damit in dieser Saison zum fünften Mal an einer grossen Regatta die Halbfinalqualifikation. Ihre Konstanz ist beeindruckend und eine gute Ausgangslage für die kommenden Rennen. Für Jeannine Gmelin steht der Halbfinal am Freitag auf dem Programm.

Was hat Dich zum Rudersport gebracht?
Ich bin am Greifensee aufgewachsen. Als Jugendliche suchten mein Bruder Valentin und ich eine Sportart, die zu uns passt. Nach einigen Recherchen und einem Blick auf einen Ruderer auf dem See war für uns schnell klar: „Rudern muss es sein.“ Ein Boot in der absoluten Stille auf spiegelglattem Wasser voranzutreiben ist das Grösste. Der Ruderclub Uster ist ein eher kleiner Club, so gab es keine anderen Mädchen meines Alters. Deshalb musste ich mit dem Einer anfreunden, was ich jedoch nicht bereue.

Wie sehen die letzten vier Stunden vor einem Rennen bei Dir aus?
Der Start der Rennen ist meist zwischen 12 und 16 Uhr; so kann ich noch normal zu Mittag essen. Dann begebe ich mich auf den Regattaplatz und gehe in mich; meist mit Musik. Eine Stunde vor dem Start beginnt das Aufwärmen an Land auf dem Ergometer und mit Dehnungsübungen. Es folgt eine Besprechung mit dem Trainer. 40 Minuten vor dem Start rudere ich los, mache ein paar Sprint- und Startübungen. Mit ca. vier bis fünf Ruderkilometern vor dem Start gewöhne ich mich an die Wasser- und Windverhältnisse.

Ist Deine Familie an Regatten im Ausland manchmal dabei?
Nicht nur manchmal. Meine Familie kommt, wenn immer möglich an alle Regatten; sowieso in Europa. Meine Mutter ist meist die erste vor Ort. Wenn die Regatten in Übersee stattfinden wird es schwieriger. Ich schätze diese Unterstützung sehr.

Du ruderst nun schon länger im Kader des Schweizerischen Ruderverbandes, meist auf dem Sarnersee. Welche Bedeutung hat der Ruderclub Uster noch?
Er ist und bleibt meine Basis, wo ich rudern gelernt habe. Der Club war damals mit meinen zunehmend guten Leistungen gefordert und versuchte alles, um gute Trainer zu engagieren. Mit 130 Mitgliedern hat er jedoch nicht die gleichen Möglichkeiten wie grössere Clubs. Umso dankbarer bin ich dem Präsidenten Roger Achermann für sein Sponsoring-Engagement. Der Ruderclub Uster ermöglicht mir damit internationalen Erfolg ohne Einschränkungen.

Links :
- Schweizerischer Ruderverband, Facebook-Site
- FISA, worldrowing, 2015 rowing championships
- Google maps, Lac d’Aigebuelette
- Ruderclub Uster
- Jeannine Gmelin

Interview und Bild: Peter Koch, Schweizerischer Ruderverband