Weltcup-Auftakt in Varese: Leichter Vierer gewinnt souverän, Stahlberg/Röösli überraschen mit Bronze

  Leichter Vierer dominiert, Stahlberg/Röösli überraschen mit Bronze

Erfolgreicher Finaltag für das Schweizer Nationalteam am Weltcup-Auftakt in Varese: Der Leichtgewichts Vierer ohne mit Steuermann knüpft an die Leistungen vom Vorjahr an und dominiert den Wettkampf vom Vorlauf bis zum Final. Starker Auftritt auch von Nico Stahlberg und Roman Röösli, die im Doppelzweier zu Bronze fahren. Das gute Team-Ergebnis rundet Jeannine Gmelin mit einem 4. Rang im Einer ab.

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(Bilder: Detlev Seyb, Swiss Rowing)
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Der Schweizer Leichtgewichts Vierer ohne Steuermann mit Mario Gyr (Seeclub Luzern), Simon Niepmann (Seeclub Zürich/Basler Ruderclub), Simon Schürch (Seeclub Sursee) und Lucas Tramèr (Club d’Aviron Vésenaz/Basler Ruderclub) startet mit einem Sieg an der ersten Weltcup-Regatta in Varese in die Olympia-Saison. «Wir haben eine Marke gesetzt, genau das wollten wir», gibt der Schlagmann Mario Gyr nach dem Rennen zu Protokoll. Das Quartett konnte nicht nur jedes Rennen für sich entscheiden, sondern sich auch im Verlauf der Regatta kontinuierlich von Rennen zu Rennen steigern: «Das ist gerade im Leichtgewichtsbereich entscheidend», weiss Mario Gyr. Nicht nur der Sieg gibt dem Team viel Selbstvertrauen auch der Fakt, «dass wir weiter sind als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr», erklärt Lucas Tramèr. Wie die weiteren Boote auch wird der Schweizer Leichtgewichts Vierer nun als nächstes vom 6. bis 8. Mai an den Europameisterschaften in Brandenburg starten.

Nico Stahlberg und Roman Röösli stürmen zu Bronze
Da die beiden Lausanne Doppelvierer-Athleten Augustin Maillefer (Handbruch) und Barnabé Delarze (Rückenprobleme) derzeit verletzungsbedingt noch nicht Rennen bestreiten können, sind die weiteren Athleten aus dem Doppelvierer-Olympiaprojekt in den Kleinbooten gestartet. Im doch eher ungewohnten Doppelzweier rudern Roman Röösli (Seeclub Sempach) und Nico Stahlberg (Ruderclub Kreuzlingen) gleich zu Bronze und damit zu ihrer ersten Weltcup-Medaille – nur eine Länge hinter den Weltmeistern aus Kroatien Valent und Martin Sinkovic. Auf die im zweiten Rang klassierten Polen fehlten gar nur sechs Zehntel. Obschon die beiden erst vor zwei Wochen mit dem Training in dieser Bootsklasse gestartet haben, komme der Erfolg nicht von ungefähr: «Wir haben in den letzten zwei Jahren sehr konsequent trainiert – jedes Training vom ersten bis zum letzten Schlag», sagt Roman Röösli und Nico Stahlberg verrät gleich ihr Erfolgsrezept: «Wir haben viel Freude am Rudern. Es macht Spass.» Dies obwohl die Situation für die Doppelvierer-Athleten derzeit nicht einfach ist: «Doch das ganze Team hat an dieser Regatta bewiesen, dass es bereit ist», unterstreicht Nico Stahlberg.
Zu diesem Team gehört auch Markus Kessler (Ruderclub Schaffhausen), der seinerseits im Einer startete. In einem gut besetzten Einer-Feld sicherte sich der 24-Jährige den zweiten Platz im B-Final direkt hinter dem WM-Siebten und Olympia-Starter Stanislau Shcharbachenia aus Weissrussland. Mit diesem 8. Gesamtrang hat Markus Kessler gezeigt, dass die Form im Olympiajahr stimmt und er in den Wintermonaten einen weiteren Schritt nach vorne machen konnte.

Jeannine Gmelin bestätigt sich in der Weltspitze
In starker Form präsentierte sich auch Jeannine Gmelin, die ihre erfolgreiche Saison 2015 mit dem 2. Rang an den Europameisterschaften und dem 5. Rang an den Weltmeisterschaften am Weltcup-Auftakt bestätigen konnte. In einem prominent besetzten Final startete sie schnell und lag bis zur Streckenhälfte in Führung. Auf den zweiten 1000 Metern schob sich das ganze Feld sehr eng zusammen und die 25-Jährige überquerte als Vierte die Ziellinie. Zwei Sekunden hinter der Siegerin Carling Zeemann aus Kanada und nur fünf Zehntel hinter dem Bronze-Rang. «Mit drei Booten in der absoluten Weltspitze, einem Sieg und einer Bronzemedaille können wir sehr zufrieden mit diesem Finaltag sein. Sehr erfreulich war auch die Silbermedaille im leichten Zweier ohne von gestern. Das ist ein Weltcup-Auftakt nach Mass», freut sich SRV-Direktor Christian Stofer und ergänzt: «Wir wissen aber auch, dass es noch sehr früh in der Saison ist und sich alle Boote noch weiter entwickeln müssen.»

Leichtgewichts Frauen Doppelzweier: Viel Potenzial und viel Konkurrenz
So auch der leichte Doppelzweier mit Frédérique Rol (Lausanne Sport Aviron) und Patricia Merz (Seeclub Zug). Das Duo beendete den Weltcup-Auftakt auf Rang 11. Nach dem siegreichen Vorlauf, in welchem die Beiden auch die WM-Vierten aus Kanada hinter sich liessen, liefen die weiteren Rennen nicht mehr nach Wunsch. In dieser sehr hart umkämpften Bootskategorie haben sich einige noch nicht für Olympia qualifizierte Boote wie Holland (4. Rang), Schweden (7.) und Italien (8.) in guter Form präsentiert. Neben diesen Booten erwartet das Schweizer Duo an der Olympiaqualifikationsregatta am Rotsee (22. bis 24. Mai 2016) voraussichtlich auch noch weitere Konkurrenz – etwa aus Australien, Griechenland oder Rumänien. SRV-Direktor Christan Stofer bilanziert den Weltcup-Auftakt im Hinblick auf diese entscheidende Regatta wie folgt: «Mit ihrem Vorlaufsieg haben die beiden bewiesen, dass sie den nötigen Speed besitzen, um vorne mitzufahren. Die Regatta hat aber auch gezeigt, dass es am Tag X ein perfektes Rennen braucht.»

Interne Ausscheidungen um Olympia-Startplätze
In der gleichen Bootsklasse haben an den letztjährigen Weltmeisterschaften Michael Schmid (See-Club Luzern) und Daniel Wiederkehr (Ruderclub Baden) für die Schweiz einen Quotenplatz für Rio 2016 geholt. In Varese ruderte nun Michael Schmid mit Silvan Zehnder (Seeclub Zürich) im Leichtgewichts Doppelzweier. Dieses Duo bestätigte mit Schlussrang 9 und der geruderten Zeit von 6:24,99. im Halbfinal sowohl das Zeit- wie auch das Rangkriterium, um Swiss Olympic zur Selektion vorgeschlagen zu werden. Bevor der Schweizerische Ruderverband einen Selektionsvorschlag vornehmen wird, werden in der nächsten Woche noch interne Ausscheidungsrennen gefahren, um die Mannschaftsbildung und damit die Bootsbesetzung zu finalisieren. An diesen Ausscheidungsrennen nimmt neben Michael Schmid und Silvan Zehnder der Badener Daniel Wiederkehr teil. Der 26-Jährige war in Varese im leichten Einer am Start und wurde im A-Final vom Samstag um lediglich drei Zehntel auf den vierten Rang verwiesen.

Resultate.
Weltcup-Auftakt Varese (Italien) – Resultate vom Sonntag, 17. April 2016
Männer.
Leichtgewichte. Vierer ohne Steuermann. A-Final: 1. Schweiz (Mario Gyr, Simon Niepmann, Simon Schürch, Lucas Tramèr) 6:16,91.
2. China (Wie, Jingbin, Chenggang, Tiexin) 6:22,33. 3. USA (Prendes, Fahden, King, Nase) 6:22,99. 4. Holland (Roovers, Pijs, van Gennep, van den Ende) 6:24,15. 5. Deutschland (Koch, Schaefer, Franzmann, Wichert) 6:28,54. 6. Tscheichen (Vrastiljr, Kopac, Humpolec, Vetesnik) 6:30,43.

Leichtgewichte. Doppelzweier. B-Final:. 1. Artur Mikolajczewski, Milosz Jankowski (Pol) 6:42,71. 2. Zak Lee-Green, Jamie Kirkwood (Gb) 6:43,24. 3. Michael Schmid, Silvan Zehnder (Sz) 6:45,13. 4. Huseyin Kandemir, Enes Kusku (Tur) 6:45,26. 5. Pedro Fragas, Nuno Mendes (Por) 6:49,77. 6. Felipe Cardenas Morales, Bernardo Guerrero Diaz (Chi) 6:53,22.

Doppelzweier. A-Final: 1. Martin Sinkovic, Valent Sinkovic (Kro) 6:33,10. 2. Dawid Grabowski, Dominik Czaja (Pol) 6:35,73. 3. Nico Stahlberg, Roman Röösli (Sz) 6:36,33. 4. Kjetil Borch, Olaf Tufte (No) 6:38,41. 5. Eduardo Rubio Rodriguez, Adrian Oquendo Ibanez (Cub) 6:42,83. 6. Jack Beaumont, Nicholas Middleton (Gb) 6:46,30.

Skiff. B-Final: 1. Stanislau Shcharbachenia (WRus) 7:16,73. 2. Markus Kessler (Sz) 7:24,54. 3. Stefan Broenink (Ho) 7:26,23. 4. Brian Rosso (Arg) 7:26,42. 5. Adam Wicenciak (Po) 7:27,54. 6. Gasper Fistravec (Slo) 7:40,65.

Frauen.
Skiff.
1. Carling Zeeman (Ka) 7.49, 41. 2. Ekaterina Karsten (WRus) 7:50,97. 3. Sanita Puspure (Irl) 7:51,40. 4. Jeannine Gmelin (Sz) 7:52,17. 5. Tatsiana Kukhta (WRus) 7:56,22. 6. Jingli Duan (Chn) 7:57,53.

Leichtgewichte. Doppelzweier. B-Final: 1. Annie Svensson, Emma Fredh (Sd) 7:19,10. 2. Laura Milani, Elisabetta Sancassani (I) 7:19,14. 3. Emily Craig, Eleanor Piggott (Gb) 7:21,18. 4. Giulia Pollini, Valentina Rodini (I) 7:21,73. 5. Frédérique Rol, Patricia Merz (Sz) 7:24,07. 6. Anastasia Zhukova, Anastasia Lebedeva (Ru) 7:38,07.

Lago di Varese, 17. April 2016/Regula Schweizer