Jeannine Gmelin steht nach Vorlaufsieg direkt im Halbfinal

  Jeannine Gmelin steht nach Vorlaufsieg direkt im Halbfinal

Der erste Regattatag in Posen hatte eine gewisse Hektik in sich. Da sich beim geplanten Rennbeginn ein heftiges Gewitter über der Stadt entlud, konnten die Vorläufe erst mit zweistündiger Verzögerung beginnen. Jeannine Gmelin hat dabei für das Schweizer Highlight des Tages gesorgt: Im Endspurt spurtete sie an Ekaterina Karsten vorbei und gewann ihren Vorlauf. Dieser Sieg war umso wertvoller, da sich nur die Vor-laufsiegerin direkt für den Halbfinal qualifizieren konnte. Ebenfalls einen Vorlaufsieg für sich verbuchen konnte Ladina Meier im leichten Einer. Auch sie steht direkt im Halbfinal. Mit Markus Kessler in der offenen und Silvan Zehnder in der leichten Kategorie stehen zwei weitere Schweizer Skiffiers bereits im Halbfinal.

>> Bilder Vorlauftag WRC III Poznan (Bilder: Detlev Seyb, Swiss Rowing)

>> Startlisten und Resultate WRC III Poznan (pdf)

Wenige Minuten vor Rennbeginn ging über Posen und der Regattastrecke Malta-See ein gewaltiges Gewitter mit Blitz, Donner und heftigen Regengüssen nieder. Der Rennstart musste verschoben werden. Nachdem die Gewitterzellen weitergezogen waren, konnten die Vorläufe mit zweistündiger Verspätung gestartet werden.

Jeannine Gmelin mit gutem Endspurt an Ekaterina Karsten vorbei
Jeannine Gmelin (Ruderclub Uster) war heute im Vorlauf gegen Ekaterina Karsten aus Weissrussland, der «Grande Dame» im Frauen Einer, eingeteilt. Die beiden Ruderinnen setzten sich gleich zu Beginn an die Spitze des Feldes, wobei es Ekaterina Karsten nach 500 Metern gelang, eine halbe Bootslänge Vorsprung auf Jeannine Gmelin herauszurudern. Die restlichen Boote hatten den Kontakt zu den beiden Führenden bereits verloren. Jeannine Gmelin ruderte während den mittleren 1000 Metern konstant eine halbe Bootslänge hinter Karsten. Rund 250 Meter vor dem Ziel setzte Jeannine Gmelin zum Endspurt an und kam der Altmeisterin Karsten immer näher. Auf der Ziellinie behielt Jeannine Gmelin das bessere Ende für sich und gewann diesen Vorlauf mit 0.14 Sekunden vor Karsten. Damit hat sich Jeannine Gmelin direkt für das Halbfinal vom Samstag qualifiziert, während Ekaterina Karsten den Weg über den Hoffnungslauf nehmen musste, wo sie sich mit einem Sieg ebenfalls souverän auch für den Halbfinal qualifizieren konnte.

Doppelvierer mit einer Last-Minute-Auswechslung
Hektisch wie das Wetter präsentierte sich heute auch die Situation beim Männer-Doppelvierer: Das Boot musste kurz vor dem Vorlauf noch umbesetzt werden. Barnabé Delarze (Lausanne Sports Aviron) hatte das Gefühl, dass eine Krankheit im Anzug ist und so wurde entschieden, den Athleten heute nicht starten zu lassen. Für ihn rückte kurzfristig Markus Kessler (Ruderclub Schaffhausen) zu Nico Stahlberg (Ruderclub Kreuzlingen), Augustin Maillefer (Lausanne Sports Aviron) und Roman Röösli (Seeclub Sempach) in den Doppelvierer. Roman Röösli übernahm wie schon vor drei Wochen in Luzern die Schlagposition. Gleich am Start kam der Schweizer Doppelvierer nicht gut weg und hatte auf der ersten Streckenhälfte Mühe, den Rhythmus zu finden. Auf den zweiten 1000 Metern kam das Schweizer Boot besser in Fahrt, der erste Platz, der den direkten Finaleinzug sicherte, war aber schon fest in australischem Besitz. Australien, Polen, Schweiz und Tschechien lautete der Zieleinlauf. Damit wird der Doppelvierer morgen im Hoffnungslauf um den Finaleinzug rudern. Morgen Samstag wird auch entschieden, ob Barnabé Delarze für den Hoffnungslauf in den Doppelvierer zurückkehrt oder nicht.

Markus Kessler war ursprünglich im Einer gemeldet. Aufgrund der wetterbedingten Änderungen im Zeitplan startete er nur wenig mehr als eine Stunde nach dem Doppelvierer bereits zu seinem Einer-Vorlauf. In diesem Vorlauf beschränkte er sich auf das Minimalziel, nämlich die Viertelfinalqualifikation, welche er hinter Frankreich und Schweden, aber vor Italien, sicher auf dem dritten Platz über die Ziellinie ruderte. Im Hoffnungslauf bei schwierigen Bedingungen ruderte er stets auf dem Halbfinalberechtigten dritten Platz hinter dem neuseeländischen Olympiasieger von 2012, Mahe Drysdale und dem Dänen Sverri Nielsen. Der Ruderer des Ruderclub Schaffhausen liess sich auch nicht aus der Ruhe bringen als er wenige Schläge vor dem Ziel das Ruder kurz aus der Hand verlor und qualifizierte sich somit souverän für den Halbfinal – in seinem dritten Rennen des Tages.

Leichte Doppelzweier kamen am Start nicht in die Gänge
Weniger gut verliefen die Vorläufe für die beiden Leichtgewichts-Doppelzweier. Patricia Merz (Seeclub Zug) und Frédérique Rol (Lausanne Sports Aviron) kennen in der Regel keine Startschwierigkeiten. Doch heute konnte das Duo seine Stärke am Start nicht ausspielen und verlor bereits auf den ersten 300 Metern den Kontakt zu den führenden Holländerinnen und Däninnen. So reihte sich das Schweizer Boot schon recht früh an vierter Stelle ein und ruderte ein einsames Rennen. Im Hoffnungslauf von morgen Samstag besteht die Chance, es besser zu machen, zumal es bereits um den Finaleinzug gehen wird.
Ähnliches Bild im leichten Doppelzweier der Männer mit Michael Schmid (See-Club Luzern) und Daniel Wiederkehr (Ruderclub Baden). Während Schmid/Wiederkehr noch gut von den Startblöcken wegkamen, gelang es dem Duo auf den zweiten 250 Metern nicht, sich in eine vielversprechende Ausgangslage zu manövrieren. Der Kontakt zu den führenden Norwegern, denen Irland und Österreich mächtig Druck machten, riss ab und so klassierte sich das Schweizer Boot lediglich auf dem fünften Vorlaufrang und wird morgen Samstag im Hoffnungslauf rudern.

Ladina Meier gewinnt leichten Skiff-Vorlauf
Gut verlief der Vorlauf im leichten Frauen-Einer für Ladina Meier (Ruderclub Cham). Bei zunehmend schwierigeren Bedingungen und Wellengang, schob sich Ladina Meier zusammen mit der früheren Weltmeisterin Fabiana Beltrame (Braslilien) in Führung. Auf der zweiten Streckenhälfte vermochte sich Meier dann an Beltrame vorbeizuschieben und konnte sich den Vorlaufsieg notieren lassen. Dank diesem guten Regattaauftakt steht Ladina Meier direkt im Halbfinal vom Samstag. Im gleichen Rennen ruderte Pauline Delacroix (Club d’Aviron Vésenaz) als zweites Schweizer Boot auf den vierten Rang und wurde damit in den Hoffnungslauf verwiesen. Dort zeigte sie ein engagiertes Rennen und passierte die Streckenhälfte als Zweite. Im Ziel war es dann Rang 3. Damit bestreitet sie morgen den C-Final.

Silvan Zehnder qualifiziert sich für Halbfinal
Ein gutes Vorlaufsrennen zeigte Leichtgewichts-Skiffier Silvan Zehnder (Seeclub Zürich). Er lag anfänglich noch etwas zurück, drehte dann aber bei mittlerweile sehr böigem, seitlichem Mitwind bei Streckenhälfte mächtig auf und lag zusammen mit Deutschland und Polen an der Spitze des Rennens. Die Einerfahrer kämpften gegeneinander, aber auch gegen die sich zunehmend verschlechternden Ruderbedingungen. Im Ziel waren die drei Boote dann sehr nahe zusammen, wobei Deutschland und Polen zeitgleich die Ziellinie passierten und sich so direkt für den Halbfinal qualifizierten. Silvan Zehnder folgte mit 0.85 Sekunden Rückstand und wurde Dritter. Trotz kämpferischem Rennen muss er den Umweg über den Hoffnungslauf nehmen in welchem er sich als Zweiter sicher für den morgigen Halbfinal qualifizieren konnte.

Resultate.
Frauen.
Skiff. Vorlauf: 1. Jeannine Gmelin (Sz) 7:37,73.
2. Ekaterina Karsten (WRus) 7:37,87. 3. Karolien Florijn (Ho) 7:57,34. 4. Julia Richter (De) 8:07,95. 5. Marcela Milosevic (Kro) 8:19,62.
Leichtgewichte. Skiff. Hoffnungslauf: 1. Elisabeth Woerner (Ho) 7:52,30. 2. Giulia Pollini (I) 7:53,56. 3. Pauline Delacroix (Sz) 7:57,48. 4. Camila Valle Granados (Pe) 8:09,70. 5. Olga Svirska (Let) 8:15,87. 6. Rojjana Raklao (Thai) 8:35,72. – Vorlauf: 1. Ladina Meier (Sz 1) 7:53,78. 2. Fabiana Beltrame (Bra) 7:54,19. 3. Martyna Mikolajczak (Po) 7:54,86. 4. Pauline Delacroix (Sz 2) 8:06,16. 5. Yuri Choi (Ko) 8:12,60.
Leichtgewichte. Doppelzweier. Vorlauf: 1. Maaike Head, Ilse Paulis (Ho) 7:04,01. 2. Anne Lolk Thomsen, Juliane Rasmussen (Dä) 7:08,51. 3. Valentina Rodini, Federica Cesarini (I) 7:12,18. 4. Frédérique Rol, Patricia Merz (Sz) 7:17,93. 5. Vanessa Cozzi, Fernanda Ferreira (Bra) 7:25,91. 6. Yuen Yin Lee, Ka Man Lee (Hkg) 7:31,07.
Männer.
Skiff. Viertelfinal:
1. Mahe Drysdale (Nsl) 7:06,43. 2. Sverri Nielsen (Den) 7:07,95. 3. Markus Kessler (Sz) 7:08,53. 4. Jhonatan Esquivel (Uru) 7:12,89. 5. Steve Hiestand (Bra) 7:13,41. 6. Jakson Vincent Monasterio (Ven) 7:28,16. – Vorlauf: 1. Thibout Verhoeven (F) 7:15,01. 2. Emil Freudenthal (Sd) 7:17,56. 3. Markus Kessler (Sz) 7:24,03. 4. Vincenzo Capelli (I) 7:33,46.
Doppelvierer. Vorlauf: 1. Australien (Forsterling, Belonogoff, Girdlestone, McRae) 5:49,57. 2. Polen (Biskup, Chabel, Radosz, Zietarski) 5:53,12. 3. Schweiz (Roman Röösli, Augustin Maillefer, Nico Stahlberg, Markus Kessler) 5:55,90. 4. Tschechien (Rimak, Basl, Sterbak, Klang) 6:03,33.
Leichtgewichte. Einer. Hoffnungslauf: 1. Uncas Batista (Br) 7:09,81. 2. Silvan Zehnder (Sz) 7:10,04. 3. Mattias Johansson (Sd) 7:13,40. 4. Mohamed Taieb (Tun) 7:13,67. 5. Bryan Sola Zambrano (Ecu) 7:28,20. 6. Prem Nampratueng (Thai) 7:30,30. – Vorlauf: 1. Konstantin Steinhübel (De) 7:07,00. 2. Jerzy Kowalski (Po) 7:07,00. 3. Silvan Zehnder (Sz) 7:07,85. 4. Mohammed Al-Khafaji (Irak) 7:27,82. 5. Hyunsu Park (Ko) 7:28,90. 6. Prem Namprtueng (Thai) 7:31,36.
Leichtgewichte. Doppelzweier. Vorlauf: 1. Kristoffer Brun, Are Strandli (No 6:18,90. 2. Gary O’Donovan, Paul O’Donovan (Irl) 6:19,45. 3. Paul Sieber, Bernhard Sieber (Ö) 6:34,23. 4. Xavier Vela Maggi, Willian Giaretton (Bra) 6:37,08. 5. Michael Schmid, Daniel Wiederkehr (Sz) 6:43,01. 6. Bogdan Obreja, Drajan Raicovici (Ro) 07:14,14.

Posen, 17. Juni 2016/cs.