Ein Finalplatz und zwei B-Finalsiege an der Studenten-WM

  Ein Finalplatz und zwei B-Finalsiege an der Studenten-WM Poznan

Für die Schweizer Delegation der 14. World University Rowing Championships vom 2.-4. September in Poznan wurden im Mai 20 Athleten selektioniert. Das erfahrenste Team war der Männerachter, wovon eine Hälfte zwei Jahre zuvor den Final nur knapp verpasst hatte, und nun mit guten Trainingsresultaten und zwei Monaten gemeinsamem Training mit dem Ziel A-Final nach Polen aufbrachen. Vier weitere Riemenruderer hatten die Selektion für den Achter nicht geschafft und waren im Männer Vierer-ohne nominiert. Erstmals in der Geschichte des Schweizer Studentenruderns startete ein Frauen Vierer-ohne. Drei dieser Ruderinnen haben über das Studenten-Ruderprogramm des Belvoir Ruderclub Zürich als sogenannte "Freshmen" 2014 und 2015 mit Rudern begonnen und traten mit viel Respekt vor ihrer bislang grössten sportlichen Herausforderung die Reise nach Polen an. Das Team wurde komplettiert durch drei Skiffiers, die alle einen Monat zuvor an den EUSA Games in Zagreb ihre Hochschulen vertreten hatten und in die B-Finale kamen.

Skiffiers werden von der Konkurrenz geprüft
Am Freitag startete Matthias Kühni im Männereiner zwar verhalten in die erste Hälfte seines Vorlaufs, konnte aber dank eines kämpferischen zweiten Rennteils den Neuseeländer abhängen und sich mit Rang drei direkt für die Halbfinale qualifizieren, dabei verbesserte er auch seine persönliche Bestzeit auf 7:07. Im Halbfinal versuchte er als Aussenseiter zwar alles, kam aber nicht gut genug in den Rhythmus und konnte sich nicht einen der Plätze im A-Final ergattern. Sehr enttäuscht und selbstkritisch kam er von seinem B-Final zurück, wo er am dritten Tag nicht sein Bestes abrufen konnte und den 12. Schlussrang verbuchen musste.

Auch die dieses Jahr eingebürgerte Baslerin Seraina Rodewald im leichten Fraueneiner lernte ein neues Wettkampfniveau kennen. Sie fuhr gute Rennen, doch die hochkarätige Konkurrenz setzte sich schon auf den ersten 500 Metern mit 5-8 Sekunden Vorsprung ab. Im B-Final musste sich aber nur der Polin Sylwia Zimnicka geschlagen geben, überholte die Taiwanerin, schlug die Weissrussin und belegte damit den 8. Schlussrang. Serafin Streiff als einziger Leichtgewichtsruderer startete in der bestbesetzten Kategorie und bekam 16 Gegnern. Der ETH-Student kam am Freitag im Vorlauf nicht in die Gänge und musste im Hoffnungslauf auch das Weiterkommen ins Halbfinal abschreiben. Im C-Final am Sonntag konnte er sich verbessern, wurde Vierter und klassierte er sich auf dem 16. Schlussrang. Studenten-Weltmeister im Leichtgewichtsskiff wurde der Italiener Federico Gherzi in der beeindruckenden Zeit von 6:56,77.

Frauen Vierer-ohne macht guten WM-Einstand
Der Frauen Vierer-ohne startete am Freitag frech in ihrem Vorlauf: Sie staunten trotzdem selber am meisten, als sie bei 500 Metern an der Spitze des Feldes lagen. In den folgenden Streckenabschnitten kamen die Niederländerinnen und Italienerinnen auf und drängten die Zürcherinnen auf den dritten Rang zurück. In einer Zeit von 6:56 und nur 3 Sekunden auf einen Finalplatz war das WM-Debut aber geglückt. Im Hoffnungslauf am Samstag traten fünf Vierer für die zwei letzten A-Finalplätze an. Wieder legten die vier einen guten Start hin und lagen nach 500 Metern gleichauf mit Polen und Kanada. Dann aber zeigten diese zwei Teams ihre physische Überlegenheit und setzten sich ab, während die Schweizerinnen mit dem Seitenwind nicht so gut klarkamen. Im Endspurt konnten sich die Irinnen noch vorbeischieben und die Schweiz knapp auf den vierten Rang verweisen. Das B-Final versprach darum einen harten Kampf rot gegen grün um Platz 7. Doch Katharina Brenig, Adrienne Remund, Anna Landwehr und Annina Wüthrich starteten erneut schnell und setzten sich auch danach mit ihrem bislang besten Streckenschlag weiter ab. Sie gewannen in einer Zeit von 7:10 deutlich vor Irland und Russland.

Männerachter unter Wert
Der Männerachter startete für ihre Verhältnisse verhalten in 1:27 auf den ersten 500 Metern, so dass die Polen sich schnell und klar in die finalberechtigte erste Position schieben konnte. Danach liessen sie auch den Tschechen leichtes Spiel, sie zu passieren und wurden Dritte knapp vor Norwegen. Im Hoffnungslauf wurden von sechs Booten vier weitere fürs A-Finale qualifiziert, und hier sah es erst besser aus: Die Briten und Holländer waren bei 1000 Meter zwar klar vorne, die Schweizer lagen auf dem finalberechtigten dritten Rang vor Tschechien, Ungarn und Norwegen. Auf den dritten 500 Metern machten die hinteren drei Teams mächtig Druck: Erst setzte sich Tschechien ab, dann attackierten die Ungarn und Norweger. Mit einem knappen Vorsprung auf die letzteren zwei Boote ging es auf die letzten 500 Meter. Doch es gelang den Schweizern nur eine Zeit von 1:31 für die letzten 500 Metern, und damit war es den Eidgenossen unmöglich, die Ungarn (1:28), Norweger (1:27) und Tschechen (1:28) zu bezwingen. “Der Achter konnte seine deutlich besseren Trainingsleistungen nicht abrufen”, kommentierte Trainer Diethelm Maxrath die Leistung des Achters. Entsprechend enttäuscht war das Team, doch sie rappelten sich fürs kleine Finale auf und schlugen in einem engen Rennen und mit einem beherzten Endspurt die Norweger. Somit belegte dieses Team wie schon vor zwei Jahren in Gravelines den 7. Schlussrang.

Männer Vierer-ohne überzeugt mit Kampfgeist und Steigerungslauf
Der Vierer-ohne startete besser in die Regatta: Im Vorlauf ruderten sie zwar noch etwas hektisch, blieben aber bis 1000 Meter in Kontakt mit der Spitze und wurden Dritte. Im Hoffnungslauf steigerten sie sich, konnten sich auf den zweiten 500 Metern klar von China und Südafrika zu lösen und den finalberechtigten vierten Platz absichern. Damit nicht genug: Nun überholten Simon Schmid, Tom Barylov, Jean-Philippe Dufour und Fabio Bekcic auch die Kanadier und hielten Kontakt Polen und den Niederlande an der Spitze. Im Endspurt spurteten die vorderen zwei Boote um den Sieg und distanzierten die Schweizer noch um zwei Sekunden, die Finalqualifikation war aber nicht mehr in Gefahr. Im A-Final legte das Schweizer Boot nochmals einen drauf: Nach 500 Metern an letzter Stelle attackierten im Mittelteil die führenden Boote und kamen bis auf eine Länge an die Medaillenplätze heran. Die routinierteren Teams aus Grossbritannien, Italien und Polen holten die Medaillen, während die Schweizer mit 6 Sekunden Rückstand auf den Sieger Rang fünf und das beste Schweizer Resultat verbuchten.

An der 14. Studenten-WM nahmen 346 Athleten aus 26 Länder teil, Gastgeber Polen gewann die Nationenwertung vor Italien und Tschechien. Die Präsenz der aussereuropäischen Länder war zwar relativ gering, doch die Spitzenleistungen waren beachtlich: So gewann der britische Männerachter in einer Zeit von 5:30 nur 11 Sekunden über dem Weltrekord. Der Internationale Universitätssportverband FISU konnte zudem als Erfolg verbuchen, dass Eurosport und zahlreiche Länder die Finalrennen live übertrug.

Zusammenfassung der Resultate
Frauen
Einer Leichtgewichte: Seraina Rodewald (RC Blauweiss Basel)
2. Vorlauf: 1. Manoutschehri (Ö) 7:48,05, 2. Mara (Kan) 7:55,57, 3. Zimnicka (Pol) 8:18,57, 4. Rodewald 8:24,64, damit im Hoffnungslauf
Hoffnungslauf: 1. Pala (It) 8:05,07, 2. Hart-Winks (Gb) 8:07,13, 3. Zimnicka (Pol) 8:11,13, 4. Rodewald 8:31,66, damit im B-Final
B-Final: 1. Zimnicka (Pol) 8:20,81, 2. Rodewald 8:28,57, 3. Hua (Taiwan) 8:36,05, 4. Lebedzeva (Weissrussland) 8:46,08 - 8. Schlussrang

Vierer-ohne: Katharina Brenig, Adrienne Remund, Anna Landwehr, Annina Wüthrich (alle Belvoir RC Zürich)
1. Vorlauf: 1. Italien 6:52,34, 2. Niederlande 6:53,57, 3. Schweiz 6:56,57, damit im Hoffnungslauf
Hoffnungslauf: 1. Kanada 7:02,62, 2. Polen 7:04,41, 3. Irland 7:11,27, 4. Schweiz 7:11,60, damit im B-Final
B-Final: 1. Schweiz 7:10,00, 2. Irland 7:14,68, 3. Russland 7:25,56 - 7. Schlussrang

Männer
Einer Leichtgewichte: Serafin Streiff (RC Blauweiss Basel)
3. Vorlauf: 1. Matyasovski (Ung) 7:02,29, 2. Brittain (Südafrika) 7:05,98, ferner 5. Streiff 7:45,66
Hoffnungslauf: 1. Petäjäniemi (Fin) 7:12,37, Parry (Aus) 7:14,99, 3. Dekker (Hol) 7:16,87, ferner 6. Streiff 7:37,44
C-Final: 1. Weidenmüller (D ) 7:31,51, 2, Randmäe (Est) 7:35,17, 3. Conte (Arg) 7:35,37, 4. Streiff 7:43,65, 5. Huang (Taiwan) 7:55,57 - 16. Schlussrang

Einer: Matthias Kühni (RC Rapperswil-Jona)
3. Vorlauf: 1. Plocek (Tsch) 7:01,56, 2. Garibaldi (It) 7:04,36. 3. Kühni 7:07,07, damit im Halbfinal
1. Halbfinal: 1. Plocek (Tsch) 7:05,61, 2. Fraenkel (D ) 7:06,89, Petervari-Molnar 7:07,58, ferner 6. Kühni 7:18,96, damit im B-Final
B-Final: 1. Collette (Hol) 7:12,72, ferner 6. Kühni 7:28,78 - 12. Schlussrang

Vierer-ohne
Simon Schmid (SC Luzern), Tom Barylov (RC Blauweiss Basel), Jean-Philippe Dufour (Belvoir RC Zürich) und Fabio Bekcic (SC Luzern)
2. Vorlauf: 1. Italien 6:01,50, 2. Holland 6:04,50, 3. Schweiz 6:12,85, damit im Hoffnungslauf
Hoffnungslauf: 1. Polen 6:20,79, 2. Holland 6:22,30, 3. Schweiz 6:27,98, damit im A-Final
A-Final: 1. Grossbritannien 6:00,31, 2. Italien 6:01,94, 3. Polen 6:03,28, 4. Holland 6:04,69, 5. Schweiz 6:06,96, 6. Kanada 6:11,31

Achter: Steuerfrau Caroline Pechous (SC Luzern), Moritz Schneider (SC Zürich), Kevin Stadelmann (SC Luzern), Niklaus Haberthür (SC Luzern), Louis Margot (Forward RC Morges), Fabian Thali (SC Luzern), Luca Schuler (SC Luzern), Timon Wernas (SC Luzern)
2. Vorlauf: 1. Polen 5:40,41, 2. Tschechien 5:46,80, 3. Schweiz 5;49,30, damit im Hoffnungslauf
Hoffnungslauf: 1. Grossbritannien, 5:46,72, 2. Holland 5:49,13, 3. Tschechien 5:55,76, 4. Ungarn 5:57,33, 5. Norwegen 5:57,80, 6. Schweiz 5:59,20, damit im B-Final
B-Final: 1. Schweiz 5:57,12, 2. Norwegen 5:58,97 – 7. Schlussrang

Alle Resultate:
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Website des Veranstalters: http://rowing2016.com/