EM Montemor: Zweimal Bronze für die Schweizer Delegtion

  EM Montemor: Zweimal Bronze für die Schweizer Delegtion

Drei Boote in den Finals, zwei davon holten sich heute eine EM-Medaille. Nach fantastischen Rennen reichte es sowohl dem Vierer ohne Steuermann Leichtgewichte sowie dem Frauen Doppelvierer für EM-Bronze. Nicht zu einer Medaille reichte es dem Männer Doppelzweier trotz aufopfernder Fahrt. Mit den beiden EM-Bronzemedaillen in Mannschaftsbooten geht für den Schweizerischen Ruderverband die Ruder-EM im portugiesischen Montemor-o-Velho erfolgreich zu Ende.


Alle Rennen konnten bei idealen und heissen Temperaturen durchgeführt werden. Auf der Regattabahn war es beinahe windstill und somit herrschten für alle Boote faire Verhältnisse. Drei Schweizer Boote waren heute für die Finalrennen qualifiziert. Für den leichten Vierer ohne Steuermann bei den Männern und den Doppelvierer bei den Frauen gab es je eine Bronzemedaille, was für die Schweizer Delegation in Montemor-o-Velho mit zwei Medaillen und drei Finalplätzen eine ausgezeichnete Bilanz ergibt.


Leichter Vierer ohne Steuermann drehte den Spiess um
Rennen im Vierer ohne Steuermann sind fast per Definition von einem knappen Ausgang gekennzeichnet. Die ganze Saison hindurch lieferten sich die Spitzenboote spannende Rennen. Im heutigen EM-Finalrennen gelang es dem Schweizer Vierer mit Schlagmann Marion Gyr (Seeclub Luzern), Simon Niepmann (Seeclub Zürich), Lucas Tramèr (Club d’Aviron Vésenaz) und Simon Schürch (Seeclub Sursee) im Endspurt das bessere Ende für sich zu behalten und den italienischen Vierer mit 0.15 Sekunden Vorsprung vom Podest zu verdrängen. An den Weltcuprennen von Bled und Luzern waren die Vorzeichen jeweils noch umgekehrt. Der Gyr-Vierer zeigte heute gegenüber dem gestrigen Halbfinal eine weitere Leistungssteigerung und ruderte auf der Aussenbahn 1 konsequent in den Spitzenpositionen mit. Das wieder erstarkte deutsche Boot hielt während des ganzen Rennens die Führung und die Schweizer lieferten sich mit Polen, Italien und Dänemark ein Rennen um die Medaillen. Die Schweizer kämpften jeden Schlag unaufhörlich, um ihre Bugspitze in den Medaillenrängen zu halten. Ein kraftvoller Schlag und ein sagenhafter Endspurt auf den letzten 300 Metern sicherte dem Schweizer Boot die EM-Bronzemedaille hinter dem neuen Europameister Deutschland und den Olympia-Zweiten aus Polen. Dauerrivale Italien konnte erstmals in dieser Saison geschlagen werden. Für Mario Gyr, Lucas Tramèr und Simon Schürch ist es die erste Medaille an einer ganz grossen Meisterschaftsregatta überhaupt. Simon Niepmann besitzt aus früheren Jahren bereits eine Bronzemedaille von der U23-Weltmeisterschaft. Für die ganze Mannschaft bedeutet die heutige Medaille ein grosser Karriereschritt. Gleichzeitig ist es aber auch eine Bestätigung für die gute und fokussierte Arbeit der von Nationaltrainer Simon Cox gecoachten Mannschaft.


Ernst/Hauser/Fiechter/Naunheim holen ebenfalls Bronze
Gleich im Rennen nach dem Leichtgewichts-Vierer war es am Frauen-Doppelvierer. Nach dem Hoffnungslaufsieg am Vortag durfte man für dieses Rennen berechtigte Hoffnungen haben. Das Schweizer Boot enttäuschte nicht und zeigte ein fulminantes Rennen. Immer auf dem dritten Platz liegend durfte früh auf eine Medaille gehofft werden, zumal sich das Schweizer Boot in der Besetzung Martina Ernst (Belvoir Ruderclub Zürich), Katja Hauser (Seeeclub Wädenswil), Nora Fiechter (Ruderclub Blauweiss Basel) und Regina Naunheim (Seeclub Wädenswil) während drei Vierteln der Strecke am um eine halbe Bootslänge davorliegenden deutschen Boot orientieren konnte. Der Vorsprung auf die als stark eingeschätzten Polinnen sowie Italien und Russland wuchs fortwährend an. Die Spitzenposition hielten jederzeit die Weltmeisterinnen aus der Ukraine. Silber ging an Deutschland und die Bronzemedaille holte sich das Schweizer Quartett, welches im Ziel rund 2.5 Sekunden Vorsprung, oder eine gute Bootslänge, auf Polen hatte. Auch hier bedeutet die Bronzemedaille eine erste Meisterschaftsmedaille für Schlagfrau Martina Ernst und Katja Hauser. Nora Fiechter und Regina Naunheim konnten bereits als Einerfahrerinnen Meisterschaftsmedaillen gewinnen. Diese Bronzemedaille ist ein grosser Schritt für das im April dieses Jahres neu gebildete Frauen Projektboot. Das gemeinsame Training beginnt sich auszuzahlen. Nach der überraschenden Bronzemedaille zum Weltcupauftakt in Bled ist die heutige EM-Bronzemedaille die Bestätigung des Leistungsvermögens des von Eberhard Rehwinkel betreuten Frauen-Projekts.


Rang 6 für Vonarburg/Stofer
Im Vorjahr waren es an der EM André Vonarburg und Florian Stofer (beide SC Sempach), welche zu Medaillenehren kamen. Im stark besetzten Finalrennen ruderten die beiden Sempacher heute wieder engagiert und starteten auch besser als in den Vorrennen. Im Verlaufe des Rennens mussten sie aber immer wieder um den Anschluss an die Medaillenplätze kämpfen und ruderten meist auf Rang 4 oder 5. Auf der Aussenbahn 6 rudernd war die Sicht auf die anderen Boote sicher nicht immer ideal, aber der Rückstand auf die Medaillenplätze betrug immer in etwa eine Bootslänge. Im Endspurt fehlten dem Schweizer Boot die Kräfte, so dass Stofer/Vonarburg mit dem sechsten Rang Vorlieb nehmen mussten. Ein hartnäckiger Husten von André Vonarburg behinderte ihn im Training und nun auch im Rennen. Er hat sich nie ganz fit gefühlt für diese Regatta. Mit einem Rückstand von nur 4.93 Sekunden auf die siegreichen Franzosen ist der Rückstand gegenüber dem Finalrennen auf dem Rotsee vor acht Wochen wieder geringer geworden. In der eng umkämpften Doppelzweier-Kategorie ist jedoch die vierte Finalteilnahme in diesem Jahr ein gutes Zeichen, auch wenn für die WM in Neuseeland Vollbesitz der Kräfte notwendig sein wird.


Mit drei Finalplatzierungen und zwei Bronzemedaillen geht für den Schweizerischen Ruderverband die EM 2010 in Montemor-o-Velho erfolgreich zu Ende. Die EM diente dem Schweizer Team als Standortbestimmung auf dem Weg an die WM in Neuseeland. Ohne viel spezifische Vorbereitung hat die Schweizer Equipe eine gute Visitenkarte hinterlassen. Selten zuvor ist es einer Schweizer Delegation an einer grossen Meisterschaft gelungen, gleich zwei Medaillen zu gewinnen. Der Aufbau hinsichtlich der Weltmeisterschaft stimmt und in den kommenden Wochen ist weiterhin konzentrierte und konsequente Arbeit gefordert. Fünf Schweizer Ruderinnen und Ruderer haben heute ihre erste Medaille gewonnen, was jede und jeden Einzelnen auf dem eingeschlagenen Weg weiter motivieren dürfte. Überragende Nation war an der diesjährigen Europameisterschaft die deutsche Equipe, welche in den olympischen Bootsklassen zehn Medaillen zu gewinnen vermochte.


Rudern:
Europameisterschaften Montemor-o-Velho (Portugal), Resultate Rennen mit Schweizer Beteiligung vom 12.09.2010
Männer: Vierer ohne Steuermann. A-Final:
1. Deutschland 5:54,78. 2. Polen 5:56,58. 3. Schweiz (Mario Gyr, Simon Niepmann, Lucas Tramèr, Simon Schürch) 5:58,29. 4. Italien 5:58,44. 5. Dänemark 5:59,87. 6. Frankreich 6:02,48.
Doppelzweier. A-Final: 1. Frankreich 6:12,12. 2. Estland 6:12,90. 3. Tschechien 6:13,57. 4. Deutschland 6:14,16. 5. Polen 6:16,91. 6. Schweiz (Florian Stofer, André Vonarburg) 6:17,05.
Frauen. Doppelvierer, A-Final:
1. Ukraine 6:22,22. 2. Deutschland 6:24,42. 3. Schweiz (Martina Ernst, Katja Hauser, Nora Fiechter, Regina Naunheim) 6:28,69. 4. Polen 6:31,12. 5. Italien 6:34,75. 6. Russland 6:41,02.


Die detaillierten Resultate können unter http://www.worldrowing.com/index.php?pageid=91 abgerufen werden.


Montemor-o-Velho, 12. September 2010/cs.