Coupe de la Jeunesse in Szeged: Abonnement auf den vierten Platz und Zielsetzung verfehlt

  Coupe de la Jeunesse in Szeged: Abonnement auf den vierten Platz und Zielsetzung verfehlt

Der zweite Wettkampftag am Coupe de la Jeunesse in Szeged (Ungarn) endete für die Schweizer Mannschaft ohne Medaillengewinn enttäuschend. Die besten Platzierungen gelangen dem Junioren-Achter und dem Zweier-ohne mit dem jeweils vierten Rang.

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Am Coupe de la Jeunesse in Szeged nahmen 305 Ruderinnen und Ruderer aus 12 Nationen teil. Der Wettkampf, der als internationale Regatta für Juniorinnen und Junioren konzipiert ist, welche die Selektion an die Junioren-Weltmeisterschaft nicht oder noch nicht geschafft haben, brachte viele knappe Entscheidungen hervor. Während am Samstag ein gerade einfallender Mitwind wehte, kam der Wind am zweiten Finaltag als seitlicher Gegenwind über die Regattabahn.

Nur zwei Schweizer Boote im Final
Wer für den Sonntag auf eine generelle Leistungssteigerung der Schweizer Boote gehofft hatte, wurde enttäuscht. Von den neun Schweizer Booten musste als erstes Skifferin Amélie Mach (CA Vésenaz) verletzungsbedingt Forfait erklären. Für den Zweier-ohne Andri Struzina und Matthias Fernandez (beide Seeclub Zug), gestern für die einzige Schweizer Medaille besorgt, und den Junioren-Achter standen direkte Finals auf dem Programm. Alle anderen Boote mussten am frühen Morgen zu den Vorläufen antreten. Weder der Vierer-ohne, der Doppelvierer, noch der Skiff und der Doppelzweier der Junioren vermochten sich für das Finale zu qualifizieren. Enttäuschend war das vor allem für Skiffier Daniel Molino (Ruderclub Uster) und den Doppelzweier Jan Schäuble (SC Stansstad) und Romain Battistolo (RC Lausanne), welche am Samstag noch die Finalqualifikation geschafft hatten. Für beide Boote gab es jeweils einen vierten Vorlaufplatz, was für die Finalqualifikation nicht ausreichte. Vom Doppelvierer mit Pascal Ryser (RC Thalwil), Max und Morton Schubert (beide SC Stäfa) und Dominic Condrau (RC Rapperswil-Jona) hatte man sich die Finalqualifikation erhofft. Das Rennen verlief denn auch sehr spannend und war bis zum Schluss hart umkämpft, doch es war das Schweizer Boot, welches letztlich in den B-Final verwiesen wurde. Nicht besser erging es dem Doppelvierer der Juniorinnen mit Sofia Méakin (CA Vésenaz), Kirstin Minas (Belvoir RC), Laura Fatio (CA Vevey) und Lisa Lötscher (SC Luzern). Für die Crew lag ein Finalplatz zum Greifen nahe, nachdem es dem Quartett gelang, den am Start eingehandelten Rückstand wieder etwas wettzumachen. Aber im Ziel gab es auch für die Juniorinnen einen vierten Rang. Ein kämpferisches Rennen zeigten Célia Pernet (FW RC Morges) und Jana Nussbaumer (SC Zug) im Juniorinnen-Doppelzweier. Sie zeigten sich gegenüber dem Vortag verbessert, aber für den Sprung ins A-Finale reichte es auch diesem Schweizer Boot nicht.

Achter mit Leistungssteigerung
Nachdem der Regattatag für das Schweizer Team mit vielen unerfüllten Erwartungen verbunden war, zeigte sich der Junioren-Achter mit Johannes Geers (Seeclub Zürich), Pablo Grünig, Max Schwarz (beide SC Biel), Christian Stüssi (RC Bern), Flurin Letta (RC Schaffhausen), Manuel Baumann (SC Luzern), Tim Käppeli (SC Sempach), Jérôme Schmid (RC Thalwil) und Steuermann Flurin Fischer (SC Zürich) im letzten Rennen des Tages in rennfreudiger Verfassung. Das Schweizer Boot vermochte den Kontakt zu den führenden Booten aus Italien, Grossbritannien, Holland und Belgien zu halten. Ungarn und Portugal liess man früh hinter sich. Auf der zweiten Streckenhälfte war es dann Belgien, das ganz stark aufkam. Die direkt darüber rudernden Schweizer profitierten vom belgischen Tempo und konnten sich mitziehen lassen, so dass sich das Schweizer Boot plötzlich nochmals Hoffnungen machen konnte auf den Bronzeplatz. Im Ziel siegte Italien mit einer Luftkastenlänge Vorsprung vor den überraschend starken Belgiern und Grossbritannien. Dem Schweizer Achter blieb der vierte Platz und die Gewissheit ein gutes Rennen abgeliefert zu haben.

In den B-Finals rehabilitiert
Die Doppelvierer der Juniorinnen und der Junioren konnten sich nach den enttäuschen verlaufenen Vorläufen in den B-Finals jeweils schadlos halten und die Läufe für sich entscheiden und erzielten je einen siebten Platz. Für Skiffier Daniel Molino, die Doppelzweier Schäuble/Battistolo bei den Junioren und Nussbaumer/Pernet bei den Juniorinnen resuliterte in der Endabrechnung jeweils ein achter Platz. Rang 9 gab es für den Vierer-ohne.

Enttäuschende Schweizer Bilanz
Die Schweizer Delegation hat am Coupe de la Jeunesse in Szeged die Zielsetzung deutlich verpasst. Mit einer gewonnenen Bronzemedaille ist man zwar im Medaillenspiegel wie alle anderen Coupe-Nationen vertreten, aber dennoch wurden mindestens drei weitere Medaillen erwartet. Auch die Anzahl der Top 5-Rangierungen fiel unter den Erwartungen aus. Zumindest aus quantitativer Sicht wurde das Ziel der Entsendung einer grossen Coupe-Mannschaft erreicht. In Szeged war eine der grössten Coupe-Delegationen der letzten Jahre am Start, nachdem auch eine sehr hohe Zahl von Athleten/-innen am Selektionsverfahren teilgenommen hatte. Sicher war das Wettkampfniveau in den meisten Bootsklassen für Coupe-Verhältnisse eher hoch, da die meisten Verbände für die in Rio de Janeiro stattfindenden Junioren-Weltmeisterschaften eher restriktiv selektioniert hatten. Dennoch muss das Abschneiden der Schweizer Mannschaft im Detail analysiert werden. Auch wenn am Coupe de la Jeunesse nicht nur die Zahl der gewonnenen Medaillen entscheidend ist und einzelne Athletinnen und Athleten für ihr junges Alter gute Leistungen erbracht haben, muss man sich Fragen stellen: Wieso gelang es den Schweizer Booten nicht von Anfang an, das Wettkampfniveau zu antizipieren und zeigte sich dann überrascht, wie schnell die Rennen teilweise losgingen? Wieso liegen die Schlagzahlen in einzelnen Booten deutlich tiefer als bei der Konkurrenz? Wieso zeigten sich Mannschaften, die schon einige Zeit zusammen rudern, weder rhythmisch noch technisch homogen? Wieso fielen die Schweizer Boote nicht gerade durch Endspurtstärke auf, wenn ein Finalplatz in Greifweite lag?

Italien als dominierende Nation
Italien gewann die Punktewertung dank eines herausragenden Männer-Teams deutlich vor Grossbritannien und den Gastgebern aus Ungarn. Insbesondere das Junioren-Team vermochte sich gegenüber dem Samstag weiter zu steigern und feierte am Sonntag im Vierer-mit, im Zweier-ohne, im Skiff, im Doppelzweier und im Achter gleich fünf Tagessiege. So war es denn auch nicht verwunderlich, dass die Junioren-Männer-Wertung ebenfalls von Italien gewonnen wurde. Bei den Juniorinnen waren es die Britinnen, welche sich die Juniorinnen-Trophäe holten. Nebst den führenden Coupe-Nationen Italien und Grossbritannien, fielen vor allem die Delegationen aus Belgien, Irland und Oesterreich positiv mit zahlreichen Medaillengewinnen auf. Es ist seit langer Zeit wieder einmal eine Austragung eines Coupe de la Jeunesse, an welchem alle Nationen mindestens eine Medaille holten. Die Verteilung der Medaillen war also breit abgestützt.
Der nächste Coupe de la Jeunesse wird vom 29.-31. Juli 2016 in Poznan (Polen) ausgetragen.

Szeged, 2. August 2015/cs.