EM-TITELVERTEIDIGUNG IM LEICHTEN VIERER-OHNE

  Schweizer Leichtgewichts Vierer ohne verteidigt Europameistertitel

Der Schweizer Leichtgewichts Vierer ohne Steuermann verteidigt bei äusserst schwierigen Wasserverhält-nissen seinen Europameistertitel aus dem Vorjahr souverän. Die beiden Doppelzweier mit Nico Stahlberg und Roman Röösli respektive in der Leichtgewichtsklasse mit Frédérique Rol und Patricia Merz erreichen beide den starken 4. Rang. Damit erfüllt der Schweizerische Ruderverband seine Zielsetzung von einer Medaille und zwei Top 6 Rängen klar.

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>> Fotos Finaltag EM Brandenburg (Fotos: Detlev Seyb, Swiss Rowing)

Der Schweizer Leichtgewichts Vierer ohne Steuermann mit Mario Gyr (See-Club Luzern), Simon Niepmann (Seeclub Zürich/Basler Ruderclub), Simon Schürch (Seeclub Sursee) und Lucas Tramèr (Club d’Aviron Vésenaz/Basler Ruderclub) hat es geschafft: An den Europameisterschaften in Brandenburg auf dem Betzsee hat das Quartett seinen Europameistertitel souverän verteidigt. Daran konnten weder die äusserst schwierigen Wasserverhältnisse noch die Olympia-Zweiten von London 2012, Grossbritannien, etwas ändern. Die Briten machten der Schweizer Crew die Titelverteidigung jedoch nicht einfach und starteten besser ins Rennen. «Wenn man immer wieder an den Wellen anhängt, war es nicht leicht an unserer Strategie festzuhalten, ruhig zu bleiben, auch wenn wir nicht in Führung sind», erklärt Simon Niepmann. Doch das Quartett zeigte eine reife Leistung, hielt sich an die Strategie und wurde dafür belohnt. Im Windschutz einer kleinen Insel bei Streckenhälfte legte das Quartett einen Zwischenspurt ein und überholte die Briten. Diese vermochten zwar noch einmal zu reagieren, aber die Schweizer brachten die Führung routiniert ins Ziel. Simon Niepmann, der abgesehen der Junioren-WM 2003 in Athen, noch nie einen internationalen Titelkampf bei solch schwierigen Bedingungen bestritten hat, zeigte sich im Ziel erleichtert: «Es war ein extrem anspruchsvolles Rennen. Wir sind glücklich, dass wir es siegreich gestalten und unseren Titel verteidigen konnten.» Für Simon Niepmann und Lucas Tramèr ist der heutige Europameistertitel bereits der Vierte in Serie. Die beiden hatten den Titel 2013 und 2014 im leichten Zweier ohne geholt.

Stahlberg/Röösli rudern in Weltklasse-Feld auf Platz 4
Das Starterfeld des Männer Doppelzweiers im heutigen A-Final hat sich wie das «Who is Who» des Skull-Rudersports gelesen: So standen am Start die Weltmeister aus Kroatien, die Vize-Weltmeister aus Litauen, die Europameister und WM-Vierten aus Deutschland und Norwegen mit dem zweifachen Olympiasieger Olaf Tufte sowie Grossbritannien – und mittendrin das Schweizer Boot mit Nico Stahlberg (Ruderclub Kreuzlingen) und Roman Röösli (Seeclub Sursee). Die junge Schweizer Crew trotzte den schwierigen Bedingungen und liess sich nicht von den grossen Namen beeindrucken. Hinter Kroatien, Deutschland und Litauen klassierten sie sich auf dem vierten Rang. Auf der ersten Streckenhälfte noch zurück liegend, nutzen sie wie die Teamkollegen im leichten Vierer ohne die windgeschützte Stelle bei 1000 Metern für einen Zwischenspurt: «Wir haben die Schlagzahl um gefühlte acht Schläge pro Minute erhöht. Das ist enorm», erklärte Nico Stahlberg. Mit der dritt- respektive zweitbesten Abschnittszeit auf den dritten und vierten 500 Metern rückten sie in der zweiten Hälfte auf Rang 4 vor. «Es war ein spezielles Rennen», bilanziert Nico Stahlberg und freut sich: «Wir sind sehr zufrieden mit unserer Leistung.»
Markus Kessler (Ruderclub Schaffhausen), der wie Roman Röösli und Nico Stahlberg, zum Olympia-Doppelvierer-Projekt gehört, startete seinerseits im Einer an den Europameisterschaften. Im B-Final wurde er Fünfter und verpasste als Gesamt-11. eine Top-10-Klassierung knapp.

Hauptprobe für Olympia-Qualifikationsregatta geglückt
Wie eingangs erwähnt hat der Schweizerische Ruderverband die Zielsetzung für die Europameisterschaften erfüllt. Die Zielsetzung im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Rio ist neben einer Medaille an den Spielen auch das Sichern eines weiteren Olympia-Startplatzes. Dieser soll das Duo Frédérique Rol (Lausanne Sport Aviron) und Patricia Merz (See-Club Zug) an der Olympia-Qualifikationsregatta in Luzern (22. bis 24. Mai) errudern. An den Europameisterschaften haben die U23-Bronzemedaillen-Gewinnerinnen von 2015 gezeigt, dass die Form stimmt. Bei sehr anspruchsvollen Wasserverhältnissen zeigte das Duo eine technisch starke Leistung und erreichte das Final mit einem Vorlaufsieg und einem zweiten Rang im Halbfinal sicher. Im heutigen Final zeigten sie erneut eine starke Leistung und ruderten auf den vierten Rang. Damit gelingt Frédérique Rol und Patricia Merz nach Rang 9 an den Europameisterschaften 2013 und 2014 sowie Rang 7 an den Europameisterschaften vor einem Jahr ein weiterer Schritt nach vorne. «Wir sind sehr zufrieden mit unserem Rennen. Wir liessen uns nicht von Fehlschlägen aus der Ruhe bringen und haben unser Rennen ungeachtet der Verhältnisse durchgerudert», sagte Patricia Merz im Anschluss ans Rennen.
In dieser Saison haben die beiden jungen Schweizerinnen nun bereits sechs Boote aus den Top 10 der letztjährigen Weltmeisterschaften mindestens einmal geschlagen. Das gibt viel Vertrauen für die so wichtige Regatta in Luzern in zwei Wochen, wie Patricia Merz sagt: «Die Rennen beim Weltcup Auftakt in Varese und hier bei den Europameisterschaften haben uns gezeigt, dass wir jedes Boot schlagen können.»

Schmid/Wiederkehr gewinnen kleinen Final
Die weiteren Leichtgewichtsboote beendeten die Europameisterschaften alle mit einem guten Rennen: Für die EM-Neulinge Ladina Meier (Ruderclub Cham) im leichten Einer sowie Joel Schürch (Seeclub Sursee) und Fiorin Rüedi (Grasshopper Club Zürich) im leichten Zweier ohne Steuermann gab es je einen klaren Start-Ziel-Sieg und damit der siebte Rang beim ersten EM-Auftritt.
Den B-Final ebenfalls für sich entscheiden konnte der leichte Doppelzweier mit Michael Schmid (See-Club Luzern) und Daniel Wiederkehr (Ruderclub Baden). Vom Start weg vorne dabei sorgte das Duo auf den dritten 500 Metern für den Unterschied und ruderte zu einem ungefährdeten Sieg. Den Sieg im B-Final um einen Rang verpasst hat Silvan Zehnder (Seeclub Zürich). Der 28-Jährige passierte die 1000-Meter-Marke als Erster und musste sich am Schluss nur dem Bulgaren Nedelcho Vasilev geschlagen geben.

Europameisterschaften in Brandenburg (De) – Resultate vom Sonntag, 8. Mai 2016
Resultate.
Männer.
Leichtgewichte. Vierer ohne Steuermann. Final A:
1. Schweiz (Mario Gyr, Simon Niepmann, Simon Schürch, Lucas Tramèr) 6:45,24
.
2. Grossbritannien (Bartley, Aldred, Clegg, Chambers) 6:47,73.
3. Deutschland (Koch, Schaefer, Franzmann, Wichert) 6:51,66.
4. Holland (Roovers, Pijs, van Gennep, van den Ende) 6:51,74.
5. Tschechien (Vrastiljr, Kopac, Humpolec, Vetesnik) 6:59,49.
6. Spanien (Zabala Artetxe, Rojas Aznar, Franquet Montfort, Garmendia Maiz) 7:01,52.

Leichtgewichte. Doppelzweier. Final B: 1. Michael Schmid, Daniel Wiederkehr (Sz) 6:47,21. 2. Pedro Fragas, Nuno Mendes (Por) 6:48,18. 3. Igor Khmara, Stanislav Kovalov (Ukr) 6:50,21. 4. Paul Sieber, Bernhard Sieber (Ö) 6:50,67. 5. Jose Gomez-Feria, Daniel Gutierrez Garcia (Sp) 6:58,16. 6. Jan Vetensnik, Martin Slavik (Tsch) 7:01,79.
Leichtgewichte. Zweier ohne Steuermann Final B: 1. Fiorin Rüedi, Joel Schürch (Sz) 7:03,27. 2. Kawid Kaminski, Przemyslaw Borchardt (Pol) 7:11,89.
Leichtgewichte. Einer Final B: 1. Nedelcho Vasilev (Bul) 7:31,09. 2. Silvan Zehnder (Sz) 7:33,31. 3. Daniel Matyasovszki (Ungarn) 7:34,93. 4. Timothee Heijbrock (Ho) 7:36,34. 5. Milan Viktoria (Tsch) 7:37,10. 6. Juho-Pekka Petaejaeniemi (Fi) 7:37,70.
Doppelzweier. Final A: 1. Martin Sinkovic, Valent Sinkovic (Kro) 7:06,33. 2. Marcel Hacker, Stephan Krüger (De) 7:14,22. 3. Rolandas Mascinskas, Saulius Ritter (Lit) 7:17,79. 4. Nico Stahlberg, Roman Röösli (Sz) 7:21,22. 5. Kjetil Borch, Olaf Tufte (No) 7:34,36. 6. John Collins, Jonathan Walton (Gb) 7:23,67.
Einer. Final B: 1. Cedric Berrest (F) 7:15,80. 2. Robert Ven (Fi) 7:16.77. 3. Alan Campbell (Gb) 7:18,84. 4. Kristian Vasilev (Bul) 7:20,75. 5. Markus Kessler (Sz) 7:22,22. 6. Philipp Syring (De) 7:23,22.

Frauen.
Leichtgewichte. Doppelzweier. Final A:
1. Maaike Head, Ilse Paulis (Ho) 7:40,50. 2. Fini Sturm, Marie-Louise Draeger (De) 7:42,79. 3. Joanna Dorociak, Weronika Deresz (Po) 7:44,88. 4. Frédérique Rol, Patricia Merz (Sz) 7:51,12. 5. Anne Lolk, Juliane Rasmussen (Dä) 7:54,59. 6. Ilonela-Livia Lehaci, Andreea Asoltanei (Ro) 8:20,05.
Leichtgewichte. Einer. Final B: 1. Ladina Meier (Sz) 8:18,01. 2. Eveline Peleman (Be) 8:25,13. 3. Olga Svirska (Let) 8:26,92. 4. Alisa Sobko (Ukr) 8:47,68.

Brandenburg, 8. Mai 2016/rs.


Bilder: Detlev Seyb, Schweizerischer Ruderverband